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Es ist spät geworden... dann also kein Screening

Freitag, den 10. Mai 2019

Es scheint, dass die Verordnung und Durchführung von Screeninguntersuchungen von der Tageszeit abhängen, zu der sie stattfinden, deswegen sollten die Strategien für eine Verbesserung der Ergebnisse analysieren, wie die Uhrzeit das Verhalten der Menschen diesbezüglich beeinflusst.

Eine Studie hat gezeigt, dass PatientInnen, die zur Zielgruppe des Brustkrebs- und Darmkrebs-Screenings gehören, eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, innerhalb eines Jahres eine verordnete Screeninguntersuchung durchzuführen oder abzuschließen, wenn sie nachmittags einen Hausarzttermin haben.

Die Studie hat die Daten von 19.254 für das Brustkrebs-Screening und 33.468 für das Darmkrebs-Screening in Frage kommenden PatientInnen untersucht, die zwischen 2014 und 2016 primärmedizinische Zentren des Gesundheitssystems der Universität Pennsylvania aufsuchten.

Bei beiden Arten von Screeing neigten die ÄrztInnen eher dazu, den PatientInnen, die um 8 Uhr einen Termin hatten,  Screeninguntersuchungen zu verordnen (63,7 auf Brustkrebs, 36,5 auf Darmkrebs). In beiden Fällen nahm die Zahl der Verordnungen mit der Zeit ab:

•             Brustkrebs: 48,7% um 11 Uhr, 56,2% um 12 Uhr, 47,8% um 17 Uhr;

•             Darmkrebs: 31,3% um 11 Uhr, 34,4% um 12 Uhr, 23,4% um 17 Uhr.

Auch was die Vervollständigung des Screenings durch das Follow-up nach einem Jahr angeht, war ein ähnliches Schema zu beobachten.

Nun geht es darum zu verstehen, worauf diese nicht unerheblichen Unterschiede zurückzuführen sind.

Eine plausible Hypothese lautet, dass die ÄrztInnen im Laufe des Tages hinsichtlich ihres Programms in Rückstand geraten können, stellen die Forscher fest, was dazu führen kann, dass sie gegen Ende des Morgens und am Nachmittag weniger Zeit für die einzelnen PatientInnen haben: Folglich wird nicht über die Screening-Empfehlungen gesprochen oder sie werden auf den nächsten Termin verschoben.

Einige erwähnen eine im Laufe des Tages zunehmende „Entscheidungsmüdigkeit“, das heißt, „die ÄrztInnen haben einfach deswegen eine geringere Neigung, mit den PatientInnen über das Tumorscreening zu sprechen, weil sie es schon mehrmals gemacht (und andere Entscheidungen getroffen) haben. Es könnte aber auch sein, dass sie den zuvor untersuchten PatientInnen ein Screening empfohlen und einige es abgelehnt haben, so dass es den ÄrztInnen widerstrebt, das Thema gegenüber anderen PatientInnen anzusprechen.

In jedem Fall dürften die entscheidenden Aspekte, auf die eingewirkt werden sollte, die Arbeitszeit und die Ausbildung der ÄrztInnen sein.

Quelle:
Hsiang EY et al. Association of primary care clinic appointment time with clinician ordering and patient completion of breast and colorectal cancer screening. JAMA Netw Open 2019;2(5):e193403.

 

Letzte Aktualisierung:02/08/2019  - Alle Rechte vorbehalten © 2014
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