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News aus der Wissenschaftsliteratur

HIV und das Herz

Donnerstag, den 06. Juni 2019

Laut eines in der Zeitschrift Circulation veröffentlichten Statements der American Heart Association haben Personen mit HIV ein höheres Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten, was auf die Interaktion von traditionellen Risikofaktoren wie Ernährung, Lebensweise und Tabakkonsum mit spezifischen HIV-Risikofaktoren wie einem chronisch aktivierten Immunsystem und chronische Entzündungen zurückzuführen ist.

Heute ist HIV dank der antiretroviralen Therapie keine tödliche Krankheit mehr, sondern eine behandelbare chronische Krankheit, die jedoch mit einer höheren Rate an Herzinfarkten, Schlaganfällen, Herzinsuffizienz, plötzlichem Herztod und anderen Krankheiten als bei  Menschen ohne HIV einhergeht.

Unter Menschen mit HIV ist der Tabakkonsum, ein wichtiger Risikofaktor für Herzkrankheiten, verbreitet: In einer für die USA repräsentativen Auswahl waren 42 % der Menschen mit HIV Raucher. Dazu gesellen sich Alkohol- und Drogenmissbrauch, affektive Störungen, Angststörungen und geringe sportliche Aktivitäten, die gemäß der Erklärung zu dem erhöhten Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten beitragen können. Nicht zu vergessen, dass eine HIV-Erkrankung häufig mit einem Stigma verbunden ist und die betroffenen Personen erhebliche Hindernisse überwinden müssen, um eine optimale Gesundheitsversorgung zu erhalten.

Problematisch ist darüber hinaus, dass die von HIV betroffene Bevölkerung älter wird: 75 % der HIV-Infizierten ist älter als 45 Jahre. „Das Altern mit HIV bringt ganz andere Probleme mit sich, als das Altern der Allgemeinbevölkerung“, merkt Jules Levin an, der seit 35 Jahren mit HIV lebt und Gründer und Leiter des National AIDS Treatment Advocacy Project ist. „Im Durchschnitt haben HIV-infizierte Menschen, die älter als 60 sind, 3-7 medizinische Probleme, darunter Herzattacken, Schlaganfälle, Herzinsuffizienz, Nierenkrankheiten und Knochenkrankheiten, und nehmen jeden Tag 12-15 Medikamente. Häufig sind sie allein, haben Behinderungen, können das Haus nicht verlassen und sind sozial isoliert“.

Zur Einschätzung von PatientInnen, bei denen ein auf HIV zurückgehendes kardiovaskuläres Risiko vorliegt, empfiehlt das Statement einen differenzierten Ansatz. Als ersten Schritt sollte das Gewicht der traditionellen Risikofaktoren bewertet werden, wozu Hilfsmittel wie der Risikokalkulator für arteriosklerotische Krankheiten der American Heart Association/American College of Cardiology herangezogen werden können, mit dem das Risiko innerhalb von zehn Jahren einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere kardiovaskuläre Probleme zu haben, geschätzt wird. HIV-Infizierte können jedoch ein höheres Risiko aufweisen, als der Kalkulator ergibt; zudem müssen das familiär bedingte  Risiko und spezifische Faktoren wie HIV berücksichtigt werden.

Natürlich betonen die AutorInnen der Erklärung, wie wichtig ein gesunder Lebensstil ist, zu dem der Verzicht auf Tabakkonsum, ausreichend körperliche Betätigung, ein mäßiger oder gar kein Alkoholkonsum und eine gesunde Ernährung gehören. In Bezug auf Arzneimittel wie cholesterinsenkende Statine und anderen Medikamenten, die die Wahrscheinlichkeit von Blutgerinnseln vermindern, verweisen sie auf weitere klinische Studien, die deren Sicherheit bestätigen können. 

Quelle:
Feinstein MJ et al. Characteristics, prevention, and management of cardiovascular disease in people living with HIV: a scientific statement from the American Heart Association. Circulation 2019. DOI: https://doi.org/10.1161/CIR.0000000000000695

 

Letzte Aktualisierung:11/10/2019  - Alle Rechte vorbehalten © 2014
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