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Schlechtes Cholesterin: in medio stat virtus

Montag, den 08. Juli 2019

Wenn vom „schlechten” Cholesterin die Rede ist, heißt es bezüglich der Gefahr von Herzkrankheiten, je niedriger, desto besser. Eine neue Studie weist jedoch darauf hin, dass die Cholesterinwerte auch zu niedrig sein könnten.

Die AutorInnen der in Neurology veröffentlichten Studie haben entdeckt, dass niedrige Werte des „schlechten“, das heißt des LDL-Cholesterins mit einem erhöhten Risiko für hämorrhagischen Schlaganfall verbunden waren.

Es gibt verschiedene Arten von Cholesterin, darunter LD L  (Low Density Lipoprotein), das auch als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet wird, denn hohe LDL-Werte können zu Ablagerungen in den Arterien und einem erhöhten Risiko von Herzkrankheiten und Schlaganfall führen.

Bei gesunden Erwachsenen sollte laut National Institutes of Health der LDL-Cholesterinwert unter 100 Milligramm pro Deziliter liegen (mg/dl). Die neuesten Leitlinien empfehlen jedoch, dass Menschen mit einem stark erhöhten Risiko für Herzkrankheiten noch niedrigere Werte anstreben sollten, am besten unter 70 mg/dl.

Die Studie
Für die neue Studie werteten die Forscher Informationen von ca. 96.000 Erwachsenen aus der Industriestadt Tangshan in China aus, bei denen zuvor weder Schlaganfälle oder Infarkte noch Tumoren aufgetreten waren. Die TeilnehmerInnen maßen die Cholesterinwerte zu Beginn der Studie und dann neun Jahre lang einmal im Jahr. Während der Studiendauer traten 753 Fälle von hämorrhagischem Iktus auf.

Die TeilnehmerInnen mit einem LDL-Wert von unter 70 mg/dl hatten während der Dauer der Studie eine um 65 % größere Wahrscheinlichkeit einen hämorrhagischen Iktus zu erleiden als jene mit einem LDL-Wert zwischen 70 und 99 mg/dl. Diejenigen mit LDL-Werten unter 50 mg/dl hatten dagegen sogar ein doppelt so hohes Risiko wie die TeilnehmerInnen mit Werten zwischen 70 und 99 mg/dl. Es ist jedoch anzumerken, dass die Wahrscheinlichkeit eines hämorrhagischen Iktus´ insgesamt eher gering war, er betraf weniger als 1 % der ProbandInnen.

Der Mechanismus
Man weiß nicht genau, warum niedrige LDL-Werte mit einem höheren Risiko für hämorrhagischen Iktus verbunden sind. Da Cholesterin ein unverzichtbarer Bestandteil der Zellmembran ist, könnte es sein, dass ein sehr niedriger LDL-Wert zu einer Schwächung der roten Blutkörperchen führt, wodurch sie leichter reißen, vermutet Xiang Gao, einer der Autoren. Darüber hinaus nimmt man an, dass LDL-Cholesterin an dem Mechanismus beteiligt ist, der die Blutgerinnung erlaubt, weshalb niedrige LDL-Werte das Risiko von Blutungen erhöhen könnten.

Nachteile der Studie und Schlussfolgerung

Zwar handelt es sich um eine Studie mit besonders vielen TeilnehmerInnen (fast 100.000), alle lebten jedoch in der gleichen Stadt in China und es ist unklar, ob die Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen werden können. Zudem berücksichtigte die Studie die Ernährungsgewohnheiten der Menschen nicht.

Bezüglich der Prävention von ischämischer Herzkrankheit und Schlaganfall ist ein niedriger Wert von „schlechtem“ Cholesterin besser. Gleichzeitig verweisen die neuen Ergebnisse darauf, dass „ein zu niedriger LDL-Wert, in diesem Fall weniger als 70 mg/dl, negative Auswirkungen“ auf diese spezielle Bevölkerungsgruppe hat, da die Gefahr von Hirnblutungen steigt. Diese Ergebnisse könnten dabei helfen, die Empfehlungen zu einem gesunden Cholesterinwert zu perfektionieren. Zum Beispiel könnte es für Menschen, die aufgrund von Risikofaktoren wie familiärer Veranlagung hoch gefährdet sind, besser sein, einen weniger niedrigen Cholesterinwert anzustreben wie in den allgemeinen Leitlinien empfohlen.

Quelle:
Chaoran Ma et al. Low-density lipoprotein cholesterol and risk of intracerebral hemorrhage. Neurology Jul 2019, 10.1212/WNL.0000000000007853; DOI: 10.1212/WNL.0000000000007853

 

Letzte Aktualisierung:11/10/2019  - Alle Rechte vorbehalten © 2014
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