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Antibiotika und Lungenentzündung: Eine zu lange Behandlungsdauer ist riskant

Donnerstag, den 11. Juli 2019

Bei PatientInnen, die wegen einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) im Krankenhaus behandelt werden, scheint die Antibiotikatherapie, egal welcher Dauer, konkurrenzlos. Nun zeigt eine in den Annals of Internal Medicine erschienene Studie, dass dies nicht zutrifft.

Ein Team der Universität Michigan hat die Verschreibungen von Antibiotika zur Behandlung von ca. 6500 Erwachsenen mit ambulant erworbener Pneumonie in den Jahren 2017-2018 ausgewertet. Mehr als zwei Drittel der PatientInnen wurden Antibiotikatherapien verordnet (insbesondere bei der Entlassung), die die notwendige Dauer überschritten. Die längere Behandlungsdauer brachte aber nicht nur keine besseren Ergebnisse, sondern ging auch mit einem höheren Risiko von unerwünschten Ereignisse aufgrund der Antibiotika einher.

Die Forscher orientierten sich bei der Bewertung einer „ausreichenden“ Behandlung mit Antibiotika an den nationalen Leitlinien, die empfehlen, dass sich die Dauer der Antibiotikatherapie nach der Klassifizierung der Pneumonie, dem Organismus und der klinischen Stabilität richten soll. Gemäß dieser Kriterien ist bei PatientInnen mit CAP eine Behandlungsdauer von mindestens fünf Tagen vorgesehen, bei PatientInnen mit krankenhausbedingter Pneumonie (HCAP), Staphylococcus aureus oder Nonfermentern dagegen von sieben Tagen.

Von den 6481 analysierten PatientInnen (Durchschnittsalter 70,2 Jahre), hatten 4747 CAP und 1734 HCAP. Bei mehr als der Hälfte (57,4 %) lag eine schwere Pneumonie und bei 26,4 %, bzw. 7,5 % außerdem eine chronische obstruktive Lungenerkrankung oder eine akute Verschlechterung einer kongestiven Herzinsuffizienz vor.

Was die Dauer der Behandlung angeht, erhielten 67,8 % der PatientInnen länger als nötig Antibiotika, darunter
71,8 % derjenigen mit CAP und 56,6 % derjenigen mit HCAP. „Das Ergebnis waren 2526 Tage übermäßiger Therapiedauer auf 1000 PatientInnen, die sich wegen Lungenentzündung im Krankenhaus befanden“, schreiben die AutorInnen. Eine Analyse der Merkmale, die mit einer überlangen Behandlungsdauer verbunden waren, ergab, dass die PatientInnen mit Auswurf eine um 7 % größere Wahrscheinlichkeit hatten, länger Antibiotika zu erhalten, als nötig.

Die Analysen ergaben, dass die überlange Behandlungsdauer die Mortalität innerhalb von 30 Tagen, die erneute Einweisung oder Besuche in der Notaufnahme nicht verringerte, sondern die Wahrscheinlichkeit von mit der Antibiotikatherapie verbundenen unerwünschten Ereignissen erhöhte. Unter den einen Monat nach der Entlassung kontaktierten PatientInnen betrug die angegebene Wahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses 5 % (IC 2-8 %) pro jedem weiteren Tag der Antibiotikaeinnahme. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Durchfall, gastrointestinale Probleme und Candidosen an den Schleimhäuten.

 „Die Studie bestätigt, dass die kurzfristige Therapie von Pneumonie sicher und eine längere Therapiedauer nicht nur überflüssig, sondern potentiell schädlich ist“, fassen die StudienautorInnen zusammen. „Aus diesem Grund sollte die Vermeidung von übermäßig langen Behandlungen mit Antibiotika nationale Priorität haben. (...) Veränderungen machen Angst und die Medizin ist ein konservatives Gebiet, aber wir müssen Unbeweglichkeit und Tradition überwinden und die Praxis verändern, wenn uns überzeugende Nachweise zur Verfügung stehen“.

Quelle:
Vaughn VM et al. Excess antibiotic treatment duration and adverse events in patients hospitalized with pneumonia: a multihospital cohort study. Ann Intern Med. [Epub ahead of print 9 July 2019] doi: 10.7326/M18-3640

 

Letzte Aktualisierung:15/07/2019  - Alle Rechte vorbehalten © 2014
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