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News aus der Wissenschaftsliteratur

Prä-Hypertonie: Marketing oder Wissenschaft?

Montag, den 04. Oktober 2010

Im BMJ und auf dem Portal Partecipasalute des Istituto Mario Negri umreißen drei Artikel die Etappen, die zur Entstehung dieser neuen Diagnosekategorie geführt haben.Prä-Hypertonie: Prä-Hypertonie besteht dann, wenn die systolischen Blutdruckwerte zwischen 120 und 139 mmHG und die diastolischen Blutdruckwerte zwischen 80 und 89 mmHG liegen.

Wie war es möglich… “Wie kann es sein, dass ein bis vor kurzem noch als normal bezeichneter Parameter sich plötzlich in ein Risiko verwandelt hat?”, fragt sich Cinzia Colombo auf Partecipasalute.
Im Jahr 2003 sprach man zum ersten Mal von Prä-Hypertonie, und zwar in den Bluthochdruck-Leitlinien des nationalen US-Komitees. Ray Moynihan bemerkt im BMJ in diesem Zusammenhang, dass elf von den zwölf Autoren des Dokuments zahlreiche Beziehungen zu Pharmakonzernen unterhielten.

Wie viele Menschen leiden unter Prä-Hypertonie? Laut Ray Moynihan «kann man davon ausgehen, dass einer von drei Erwachsenen prä-hypertonisch ist, und das bedeutet mehr als 50 Millionen Menschen allein in den Vereinigten Staaten. Eine wahre Goldmine für die pharmazeutischen Unternehmen».

Eine ‚Prä-Misse’, um mit einem Arzneimittel behandelt zu werden? Nein, im Moment noch nicht. Die Definition einer Prä-Pathologie hat unausweichlich den Weg geebnet für Arzneimittelstudien zur Behandlung von Menschen, die in diese Kategorie fallen.

Doch wer entscheidet, was eine Bedingung oder Vor-Bedingung ist? Wer soll Leitlinien erarbeiten zu ihrer Behandlung, fragt sich Ray Moynihan.
Die Autorinnen und der Autor der drei Artikel sind sich einig, dass eine Entscheidung von solcher Tragweite für die öffentliche Gesundheit nicht ausschließlich von der Ärzteschaft getroffen werden soll, sondern dass auch Vertreter der Zivilgesellschaft miteinbezogen werden sollen, „zumindest solange, als die medizinischen Fachleute ihre Unabhängigkeit von den Kommerzeinflüssen nicht zurückgewonnen haben” (Godlee).

Quellen:
Moynihan R. Who benefits from treating prehypertension? BMJ 2010; 341:c4442.
Godlee F. Are we at risk of being at risk? BMJ 2010; 341:c4766.
Colombo C. Prima dell’ipertensione, ma già a rischio. Partecipasalute, 10/09/2010.
Cima S, Satolli R. Guerra preventiva all’ipertensione. Partecipasalute, 18/03/2006. 

 

Letzte Aktualisierung:10/12/2018  - Alle Rechte vorbehalten © 2014
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