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Welche Prioritäten für eine gesunde Zukunft?
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Auf die Frage antworten Horand Meier, Marina Davoli, Günter Ollenschläger, Maria Carla Joris, Carlo Favaretti, Johanna Frischmann, Felicitas Kühne, Nino Cartabellotta

Horand Meier, Operative Einheit “Klinische Führung”, Bozen

Für mich ist die größte Priorität, dass die Beschäftigten wirklich verstehen, was der Patient braucht und dass die Beziehung zwischen den Beschäftigten und den Organisationsstrukturen gut ist.
Außerdem würde mir viel daran liegen, dass die Technologien dafür genutzt werden, die Arbeit zu erleichtern. Ich denke da zum Beispiel an die Smartphones, die jetzt alle haben. Wenn ich auf meinem Smartphone etwa Informationen über Leitlinien hätte, die in eine Prozedur umgesetzt werden, könnte ich begreifen, welche Behandlung für den Patienten am besten ist. Gleichzeitig könnte ich Informationen eingeben, mit denen ich Indikatoren errechne, die mir zeigen, wie gut die Implementierung der Prozedur funktioniert. Das ist Neuland für das Gesundheitswesen.
Und noch ein Aspekt: Der Patient. Man sollte nicht vergessen, dass das Gesundheitssystem, mit seinem gesamten Angebot, sich zu 10 oder 20% Prozent auf die Gesundheit des Patienten auswirkt. Mehr als 50% hängt vom Lebensstil ab. Keine Technologie und keine Empfehlung kann den Lebensstil ändern. Das kann nur der Patient selbst.

Marina Davoli, Fachbereich Epidemiologie, SSR der Region Latium

Sich um die Mütter und die Kinder kümmern, anstatt sich auf das Gesundheitssystem zu konzentrieren, das sich viel weniger als der ganze Rest auf die Gesundheit auswirkt. Wenn es darum geht, ob wir einen Euro für eine neue Gesundheitstechnologie oder die Ausbildung eines Jugendlichen ausgeben sollen, würde ich mich sicherlich für das Zweitgenannte entscheiden.

Günter Ollenschläger, Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Berlin

Für die Gesundheitswesen der Zukunft würde ich mir wünschen, dass die Patienten auch künftig vom Gesundheitswesen bekommen, was notwendig ist, das heißt, mehr wissenschaftlich orientierte Medizin, weniger Medizin im Überfluss.

Maria Carla Joris, Stabstelle für berufliche Entwicklung, Pflegedirektion des Südtiroler Sanitätsbetriebes

Ich denke an Prävention. Ich wünsche mir, dass es wirkliche Prävention gibt, dass man weniger von ihr redet und sie mehr umsetzt. Und ich denke auch an mehr Einbeziehung der Bürger und der Patienten.

Carlo Favaretti, Italienische Gesellschaft für Health Technology Assessment; Zentrum für Leadership in der Medizin, Università Cattolica del Sacro Cuore, Rom

Für die gesunde Zukunft unserer Bevölkerung ist ein gutes Gesundheitssystem wichtig. Zweifellos muss die Einrichtung eines guten Gesundheitssystems drei Aspekte umfassen: Die Struktur, das heißt die Spielregeln, die Gesetze, die Arbeitsverträge, etc. Einen weiteren wichtigen Aspekt stellen die organisatorischen Systeme dar, die entsprechend der strukturellen Veränderungen, welche die Politik realisieren will, gestaltet werden sollten. Und dann wäre da noch der oft vernachlässigte Aspekt der Kultur: sowohl die der im Gesundheitssystem Beschäftigten wie indirekt die der Bürger.
Warum stimmen die Ergebnisse der Struktur, der organisatorischen Systeme und der Kultur nicht überein?
Weil auf die Struktur einzuwirken bedeutet, kurzfristig zu arbeiten; auf die organisatorischen Systeme einzuwirken bedeutet, mittelfristig zu arbeiten; und in Bezug auf Kultur zu arbeiten bedeutet, eine Perspektive von mindestens zehn Jahren zu haben.
Es ist schwierig, drei so unterschiedliche Arten von Zeitmanagement in einem Land zu vereinen, in dem kein großes Interesse daran besteht, eine langfristige Policy zu bestimmen, die, mit unterschiedlichen Akzenten, auch von Regierungen und politischen Mehrheiten wechselnder Couleur weiter betrieben wird. Jeder Nachfolger meint, das zerstören zu müssen, was sein Vorgänger geschaffen hat, und aus diesem Grund ist es leicht, die Struktur zu zerstören. Niemand denkt ernsthaft daran, an den organisatorischen Systemen zu arbeiten. Was die Kultur betrifft... hat jemand gesagt, dass sie brotlos ist. Damit bin natürlich überhaupt nicht einverstanden, aber es zeigt, wie schwierig es ist, diese drei Dinge, die für mich absolut vorrangig sind, unter einen Hut zu bekommen.

Johanna Frischmann, Qualitätsreferentin des Gesudheitsbezirkes Meran

Ich denke an die Umwelt. Ich denke, dass wir sie schützen und erhalten müssen. Ich denke vor allem auch an Bewegung. Bewegung sollte Teil unseres Lebens sein, von den Kindern über die Erwachsenen bis zu den Alten. Und an eine Ernährung, die besser auf den Lebensstil abgestimmt ist.

Felicitas Kühne, UMIT - University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Institute of Public Health, Medical Decision Making and HTA, Hall in Tirol

Wir sind in einer glücklichen Lage, weil wir sehr sehr weit sind im medizinischen Fortschritt, und wir eigentlich für sehr sehr viele Krankheiten Therapien haben. Heutzutage ist das Schwierige, dass wir im Grunde finanzielle Limits haben, dass wir nicht alle Therapien bezahlen können. Ich finde es sehr wichtig, dass wir heutzutage einen Weg finden, möglichst viele Therapien zu ermöglichen und das geringe Budget, das wir haben, möglichst gerecht zu verteilen. Das heißt, dass wir eben nicht nur die Effektivität, sondern auch die Kosten-Effektivität berücksichtigen, wobei wir den Patienten nicht außer Acht lassen sollten, sondern der Patient immer ein Individuum ist, das heißt, individuelle Ausgangsparameter hat, und vor allem seine Lebensqualität, zum Beispiel, nicht außer Acht lassen können.

Nino Cartabellotta, Fondazione GIMBE, Bologna

Eine meiner Prioritäten ist es, das von der Stiftung GIMBE initiierte Projekt „Retten wir das Nationale Gesundheitssystem“ voranzutreiben. Es handelt sich um ein sehr ehrgeiziges Projekt. Die Beziehung zwischen der Verwendung von Kenntnissen und der Verbesserung des Gesundheitszustands geht aus der Tatsache hervor, dass das Gesundheitssystem, angesichts der geringen Ressourcen, heute lediglich wirksame und adäquate Maßnahmen liefern kann. Man müsste dem Gesundheits-Konsumismus Einhalt gebieten, der sich sowohl durch die regionale Gesundheitspolitik als durch die neuen Formen der Kommunikation und Beziehung Arzt-Patient in der Bevölkerung verbreitet hat. Zu unserem Projekt gehört auch die Forderung, dass das Gesundheitssystem allen, unabhängig von der Einkommensklasse, kostenlos wirksame und adäquate Behandlungen garantieren sollte. Was hingegen Maßnahmen betrifft, deren Wirksamkeit und Angemessenheit zweifelhaft ist, gäbe es eine Kostenbeteiligung, unter Berücksichtigung der Einkommensklasse. Und wirkungslose, ungeeignete Maßnahmen müssten gänzlich vom Bürger getragen werden.
 
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Letzte Aktualisierung:14/02/2020  - Alle Rechte vorbehalten © 2019
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