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News aus der Wissenschaftsliteratur

BMJ: Luftverschmutzung und erhöhte koronare Ereignisse

Dienstag, den 28. Januar 2014

Das Leben in Städten mit einer hohen Luftverschmutzung erhöht das Risiko von Herzinfarkt und Angina pectoris. Dies bestätigt eine neue Studie, die von der Abteilung für Epidemiologie der Region Latium koordiniert und im BMJ veröffentlicht wurde.

Ereignisse wie Herzinfarkt und Angina pectoris sind stark an die Tatsache gebunden, der Luftverschmutzung durch Fahrzeugabgase, Industrie und Heizungen chronisch ausgesetzt zu sein. Und das gilt auch bei Belastungswerten, die unter den in Italien und in der Europäischen Union aktuell zugelassenen Grenzwerten liegen.

Dies sind die Schlussfolgerungen eines Artikels über die schädlichen Auswirkungen der Umweltverschmutzung, der kürzlich vom BMJ veröffentlicht wurde.

«Das sind wichtige Erkenntnisse, die eine spezifische Auswirkung der Luftverschmutzung auf das Herz-Kreislauf-System zeigen. Die Umweltbelastungen gehörten bis vor kurzem nicht zu den Sorgen der Kardiologie», sagt Francesco Forastiere (Abteilung für Epidemiologie der Region Latium), einer der Autoren der Studie, «doch jetzt stellt sich heraus, dass ein Herzinfarkt auch durch die Umwelt verursacht werden kann. Die Umweltverschmutzung sollte von der Medizin ebenso ernst genommen werden wie die traditionellen Risikofaktoren Rauchen oder Bewegungsmangel.»

Die neue, von der Abteilung für Epidemiologie der Region Latium koordinierte Studie untersuchte mehr als 100’000 Einwohner von sieben Städten in fünf Ländern. In Italien wurde die Studie in Rom (Abteilung für Epidemiologie) und Turin (AO City Health and Science, Universität Turin) durchgeführt, unter Miteinbezug von rund 14’000 Menschen. Eine ganze Reihe von Einrichtungen, unter anderem die Umweltbehörden der Emilia Romagna, dem Latium und dem Piemont, waren beteiligt. Die Studie schätzt, dass bei jeder Zunahme der durchschnittlichen jährlichen Feinstaub-Exposition von 10 g/m3 (Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer, PM10) sich das Risiko von Herzinfarkten um 12% erhöht. Die Forscher verwendeten dabei Daten aus dem von der holländischen Universität Utrecht koordinierten ESCAPE-Projekt (European Study of Cohorts for Air Pollution Effects,). Die StudienteilnehmerInnen wurden rund 12 Jahre lang beobachtet, und mehr als 5000 von ihnen verzeichneten in diesem Zeitraum einen ersten Herzinfarkt oder wurden wegen instabiler Angina pectoris ins Krankenhaus eingeliefert.

Der Zusammenhang zwischen langfristiger Feinstaubexposition und der Häufigkeit von Herzinfarkt und Angina pectoris bestätigte sich auch unter Berücksichtigung mehrerer Einzelfaktoren wie Rauchgewohnheit, sozioökonomischer Status, körperliche Aktivität, Bildungsniveau und dem Body-Mass-Index.

Giulia Cesaroni (Abteilung für Epidemiologie des Latium), eine der AutorInnen des Artikels, meint zusammenfassend: «Unsere Studie legt einen Zusammenhang zwischen chronischer Feinstaubexposition und der Inzidenz von akuten koronaren Ereignissen nahe, und dies auch bei Konzentrationen, die unterhalb der in Europa aktuell zugelassenen Grenzwerte liegen.»

Und was sagen die Richtlinien? Der Europäische Jahresgrenzwert liegt bei 25 mg/m3 für PM 2,5, während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 10 ug/m3 als Richtwert vorschlägt. «Unsere Ergebnisse», sagen die Autoren, «unterstützen die Idee, dass wir große Vorteile für die Gesundheit der Menschen gewinnen könnten, wenn wir uns diesem Zielwert annähern.»

Quellen:

Cesaroni G, Forastiere F, Stafoggia M, Andersen ZJ, Badaloni C, Beelen R, et al. Long term exposure to ambient air pollution and incidence of acute coronary events: prospective cohort study and meta-analysis in 11 European cohorts from the ESCAPE Project. BMJ 2013;348:f7412 doi: 10.1136/bmj.f7412
Brauer M. Where there’s smoke... BMJ 2014;348:g40 doi: 10.1136/bmj.g40
Video abstract: Long term exposure to air pollution linked to coronary events.
Pressemitteilung: Long term exposure to air pollution linked to coronary events.

 

Letzte Aktualisierung:11/12/2019  - Alle Rechte vorbehalten © 2019
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