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Choosing Wisely: Weise Entscheidungen treffen... auf der Suche nach Angemessenheit
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Horand Meier, OE Klinische Führung, Bozen

Was halten Sie von Initiativen wie „Choosing Wisely“?
Sie sind sehr hilfreich, wenn es darum geht, die Gesundheitssysteme sicherer und auch nachhaltiger zu gestalten. Wenn wir eine Rationierung der Ressourcen vermeiden und eine Rationalisierung erreichen möchten, müssen wir Entscheidungen treffen. Wenn beispielsweise ein Patient Knötchen in der Leber hat, stellt es einen signifikanten Unterschied dar, ob eine Ultraschalluntersuchung, eine Computertomografie, eine Kernspintomografie und vielleicht sogar ein PET-Screening gemacht wird oder ob man sich Gedanken über die Rahmenbedingungen macht, in denen nur eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomografie angemessen ist oder tatsächlich alle Untersuchungen notwendig sind. Wir müssen unbedingt anfangen, eine Auswahl zu treffen.

Haben solche Initiativen zur Förderung angemessener Praktiken Ihre berufliche Tätigkeit in irgendeine Weise beeinflusst oder zu einer Veränderung beigetragen?
Als Kliniker, ja, da habe ich bereits einige Elemente in meine Tätigkeit integriert. Was jedoch meine Arbeit in der Gesundheitsplanung betrifft, fehlt meines Erachtens noch ein Bindeglied zwischen den empfohlenen Praktiken und dem Übergang zur täglichen Praxis. Es fehlt ein Bindeglied zwischen der Liste der Dienstleistungen mit hohem Unangemessenheitsrisiko und der Gesundheitsplanung, durch eine Implementierung der Listen in die bereits bestehenden Behandlungspfade bei Prävention, Diagnose, Therapie und Rehabilitation.

Inwiefern können sie die Gesundheitspolitik verändern?
Es gibt nicht nur eine normative Angemessenheit (welches Medikament verschreiben, welchen Diagnosetest anwenden), sondern es stellt sich auch die Frage nach der organisatorischen Angemessenheit, das heißt, in welchem Setting der medizinischen Betreuung gewisse Dienstleistungen zu erbringen sind: in der Praxis, im Krankenhaus? In einem zentralen oder peripheren Krankenhaus, der ersten, zweiten oder dritten Kategorie? Dies sind Fragen, die geklärt werden müssen. Und was noch wichtiger ist: Man muss auch die Angemessenheit bei der Zuweisung der Mittel diskutieren. Wo investiere ich die Ressourcen in Bezug auf das Personal, die Technologien? Das ist ein weiterer Schritt, der zusammen mit der normativen Angemessenheit entwickelt werden muss.

Sind Ihrer Meinung nach „mutigere“ Listen, wie sie von einem im Februar im New England Journal of Medicine veröffentlichten Artikel vorgeschlagen wurden, von Nutzen?
Mehr als „mutigere“ sind überzeugendere Listen notwendig. In diese Richtung weist die Initiative des Ausschusses der Regionen, das heißt des technischen Ausschusses über das klinische Risiko, der eine Vereinbarung zwischen allen Regionen diskutiert und genehmigt hat, die dann an den Gesundheitsausschuss gesandt wurde. In dieser Vereinbarung wird vorgeschlagen, anhand der Listen mit Praktiken, die ein hohes Unangemessenheitsrisiko bergen, das Phänomen besser zu regeln, aber auch Ressourcen zu sparen, indem einerseits die Qualität der medizinischen Betreuung verbessert wird und andererseits die Ressourcen effizienter verwaltet werden

Sehen Sie eine Verbindung mit der Klinischen Führung und insbesondere mit den Behandlungspfaden?
Ja, das ist vielleicht der eigentliche „Vorwärtspass“, nämlich ein Versuch, diese Listen mit Praktiken, die zwar auf wissenschaftlichen Evidenzen basieren, aber ein hohes Unangemessenheitsrisiko bergen, in die Behandlungspfade von Patienten mit einer chronischen oder auch akuten Krankheit einzubinden und so von der theoretischen Ebene zur Alltagspraxis überzugehen. Wir müssen vor allem den einzelnen Arzt im Auge behalten, weil er entscheidet, ob der von ihm behandelte Patient die klinischen Charakteristiken aufweist, die einen bestimmten Behandlungspfad erlauben. Später kann er dann auch die guten, von Choosing Wisely vorgeschlagenen Praktiken anwenden, um zu vermeiden, dass ein Automatismus entsteht, wonach jeder Patient einen bestimmten Ansatz zu befolgen hat oder nicht.
Darüber hinaus sind diese Praktiken, mittels des Health-Technology-Assessments-Ansatzes, auch bei schwierigen Entscheidungen hilfreich, die sich aus der Spending Review ergeben. In diesem Fall können die Listen ein sehr nützliches Werkzeug sein, um über die verbesserte Qualität und Sicherheit der Betreuung hinaus bei Ressourcenknappheit Entscheidungen zu treffen, durch die lineare Sparprogramme vermieden werden. Die Interviews sind ein erster Schritt in diese Richtung, eine Einführung in das Thema und ein Ideenaustausch.

 
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Letzte Aktualisierung:11/11/2019  - Alle Rechte vorbehalten © 2019
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