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Choosing Wisely: Weise Entscheidungen treffen... auf der Suche nach Angemessenheit
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Giampietro Bonatti, Chefarzt der Abteilung für Radiologie des Sanitätsbetriebs Bozen

Was halten Sie von Initiativen wie Choosing Wisely?
Ich denke, dass alle Maßnahmen unterstützenswert sind, die in der Bevölkerung dazu beitragen, das Bewusstsein bezüglich eines übermäßigen Einsatzes von medizinisch-radiologischen Untersuchungen zu fördern, weil sie oft nicht nur wirtschaftlich unhaltbar, sondern auch für die Patienten schädlich sind.

Haben solche Initiativen zur Förderung angemessener Praktiken Ihre berufliche Tätigkeit in irgendeine Weise beeinflusst oder zu einer Veränderung beigetragen?
Die Initiativen von Choosing Wisely, die Suche nach einer normativen Angemessenheit, werden von den italienischen Radiologen bereits geteilt, denn wir sind uns bewusst, dass unsere Untersuchungen schädlich sein können, weil wir bei einem Großteil der Tests ionisierende Strahlungen verwenden. Die italienischen Radiologen sind grundsätzlich einverstanden mit dem Unangemessenheitsrisiko der fünf Praktiken, die von der Italienischen Gesellschaft für Medizinische Radiologie ermittelt wurden, und suchen in ihrem Berufsalltag nach alternativen Lösungen. Vor zehn Jahren, das heißt 2004, hat die Italienische Gesellschaft für Medizinische Radiologie, in Zusammenarbeit mit der Agentur für regionale Gesundheitsdienste, ein hilfreiches kleines Handbuch veröffentlicht, mit Leitlinien für Hausärzte, Allgemeinmediziner, aber auch Spezialisten, im Hinblick auf einen angemessenen Einsatz von radiologischen Untersuchungen. Für jede klinische Indikation wurde eine Leitlinie formuliert, mit dem bestgeeigneten Test, mit einer Erläuterung dessen, was heutzutage nicht mehr haltbar ist, usw. Würden diese Richtlinien angewendet, hätten wir das Problem unangemessener Untersuchungen, die in den radiologischen Abteilungen immer noch durchgeführt werden, zu 30% bis 40% gelöst.

Sind Sie besonders einverstanden oder nicht einverstanden mit einem bestimmten Punkt auf den vom American College of Radiology und der Italienischen Gesellschaft für Medizinische Radiologie herausgegebenen Listen über die Praktiken, die ein „Unangemessenheitsrisiko“ für die Radiologie bergen?
Ich bin voll und ganz einverstanden mit den fünf Punkten. In unserem Krankenhaus sind einige dieser Punkte umgesetzt worden, und dieses Ziel ist bereits erreicht. Der Punkt betreffend den Einsatz von Röntgenaufnahmen des Schädels bei kleineren Verletzungen ohne signifikante klinische Auswirkungen ist seit mehr als zehn Jahren eingeführt, denn wir haben ein Team von Spezialisten gebildet (Radiologe, Chirurg, Kinderarzt, Neurochirurg), das entsprechende Richtlinien ausgearbeitet hat. Während in den ersten Jahren nach 2000 in unserem Krankenhaus noch 800 Schädelröntgenaufnahmen bei banalen Verletzungen vorgenommen wurden, sind es nach der Umsetzung der Leitlinien nur noch 40 bis 50 Röntgenaufnahmen.
Die einzige Kritik, die man an den von der Italienischen Gesellschaft für Medizinische Radiologie ermittelten fünf Punkten machen könnte, ist, dass von Magnetresonanztomografie und von konventioneller Radiologie gesprochen wird, aber jede Erwähnung der Computertomografie fehlt, obwohl genau diese Untersuchung heute die größte Quelle von Strahlendosis darstellt. Um ein Beispiel zu machen: Für eine Computertomografie des Brustkorbs benutzen wir eine Strahlendosis, die 200 Röntgenbildern des Brustkorbs entspricht. Außerdem nimmt der Rückgriff auf Computertomografien rasant zu: In unserem Krankenhaus gab es im Laufe der letzten zehn Jahre eine Zunahme von 50%, die sogar 90% erreicht, wenn wir die Computertomografien in der Notaufnahme zum Vergleich heranziehen. Dieser übertriebene Einsatz der Computertomografie ist allen industrialisierten Ländern gemeinsam und hat 2007 Schlagzeilen gemacht durch einen Artikel im New England Journal of Medicine, der besagt, dass mindestens 2% der neuen Tumorerkrankungen in den Vereinigten Staaten auf Computertomografien zurückzuführen seien. (

Welche Maßnahmen müssten Ihrer Ansicht nach auf organisatorischer Ebene ergriffen werden, um die Listen der Praktiken, die ein Unangemessenheitsrisiko bergen, zu implementieren?
Diese Initiative zieht sicherlich auf die breite Öffentlichkeit ab, insofern müssen die Medien (Fernsehen, Presse, Internet) genutzt werden, aber ich erwarte mir keine unmittelbaren Ergebnisse bedeutenden Ausmaßes. Für uns ist es wichtiger, auf die verordnenden Ärzte, die Allgemeinmediziner einzuwirken, denn von ihnen geht die Verschreibung radiologischer Tests aus.

 
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Letzte Aktualisierung:11/11/2019  - Alle Rechte vorbehalten © 2019
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