Glossario
G
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Gegenstandsverankerte Theoriebildung |
Grounded theory Herangehensweise an eine qualitative Studie, bei der der Forscher konzeptuelle Kategorien aus den Daten entwickelt und dann neue Beobachtungen anstellt, um diese Kategorien weiterzuentwickeln. Die Hypothesen werden direkt aus den Daten hergeleitet. |
| Gender |
Darunter werden gesellschaftlich bedingte Rollen und Verantwortlichkeiten von Männern und Frauen verstanden. Der Begriff Gender drückt aus, wie wir wahrgenommen werden und welche Denk- oder Handlungsweise man von uns als Frauen oder Männer aufgrund der Organisation der Gesellschaft erwartet, nicht aufgrund unserer wirklichen Geschlechtsunterschiede. Der Begriff "Gender" verweist auf die psychologischen, sozialen und kulturellen Dimensionen je nach Geschlechtszugehörigkeit. |
| Gender Bias |
Gender Bias (engl.) kann übersetzt werden mit "geschlechterbezogene Verzerrungseffekte" oder "Verzerrungen, die dadurch zustande kommen, dass Geschlechterunterschiede nicht angemessen berücksichtigt werden", auch "geschlechtsspezifische Voreingenommenheit". Gender Bias manifestiert sich zum Beispiel in einer Projektplanung, in der nicht bedacht wird, dass Frauen/Mädchen und Männer/Jungen aufgrund ihrer unterschiedlichen gesellschaftlichen Position verschiedene Bedürfnisse und Interessen haben können. Nach Margrit Eichler sind drei Hauptformen geschlechterbezogener Verzerrungen zu unterscheiden: (1) Geschlechtsinsensibilität: bei Planung und Umsetzung von Projekten wird überhaupt nicht mitgedacht, dass das Geschlecht eine Rolle spielen könnte und es wird keine Unterscheidung zwischen Mädchen/Frauen und Jungen/Männern gemacht. (2) Androzentrismus (auf den Mann, das Männliche zentriert). Diese Form des Gender Bias ist daran zu erkennen, dass vorrangig Männer betreffende Probleme, Risikolagen und Sichtweisen untersucht bzw. bearbeitet werden. Zugleich werden männliche Verhaltensweisen als Norm gesetzt. (3) Doppelter Bewertungsmassstab: Dieser liegt vor, wenn unkritisch bei Frauen/Mädchen und Männern/Jungen verschiedene Massstäbe zur Beschreibung oder Behandlung im Wesentlichen gleichartiger Situationen angewendet werden, z.B. wenn Charaktereigenschaften stereotyp Frauen oder Männern zugeordnet werden (Geschlechterstereotype). (Quelle: Jahn I, Gender-Glossar) |
| Gender Impact Assessment |
Gender Impact Assessment (engl.; Abkürzung GIA) meint die Analyse und Bewertung von Situationen und Massnahmen im Hinblick auf geschlechterrelevante Kriterien. GIA wird sowohl ganz allgemein verwendet für die Prüfung und Bewertung von Massnahmen, welche Auswirkungen sie auf Frauen und Männer sowie das Geschlechterverhältnis haben als auch für spezifische Methoden, diese Analyse durchzuführen. Wesentliche Kriterien für GIA sind: Partizipation (z.B. Geschlechterzusammensetzung von Zielgruppen), Ressourcen (z.B. Zeit, Geld, Macht, aber auch Zugang zu Gesundheitsdiensten und Gesundheitsförderungsangeboten), Normen und Werte (z.B. die Vorstellungen davon, was Frauen/Mädchen und Männer/Jungen tun sollten), Rechte (z.B. direkte und indirekte Diskriminierung). Ergebnis des Gender Impact Assessment ist der Vorschlag von Massnahmen, die Diskriminierung ausschliessen und die Gleichstellung der Geschlechter fördern). (Quelle: Jahn I, Gender-Glossar) |
| Gender Paradox |
Darunter wird das Paradoxon verstanden, dass Frauen im Vergleich zu Männern höhere Krankheitsraten aber niedrigere Sterblichkeitsraten aufweisen. Zwar steigt die Lebenserwartung für beide Geschlechter quantitativ, die Lebensqualität dieser gewonnen Lebensjahre ist für Männer und Frauen sehr unterschiedlich: Männer "gewinnen" gesunde Jahre, während Frauen Jahre mit Behinderung und gesundheitlicher Einschränkung "gewinnen". Die Unterscheidung zwischen quantitativ und qualitativ ist relevant für die Formulierung von Gleichstellungszielen. Wird z.B. nur auf die quantitative Lebenserwartung Bezug genommen, sind Männer tendenziell im Nachteil, werden dagegen qualitative Dimensionen der Lebenserwartung einbezogen - z.B. Lebensjahre bei guter Gesundheit oder ohne Behinderung, ohne Pflegebedürftigkeit - sind tendenziell die Frauen im Nachteil. (Quelle: Jahn I, Gender-Glossar) |
| Gender und Qualität |
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| Gender und soziale Ungleichheit |
Vielfach wird der Forderung nach geschlechterangemessener Politik, Forschung und Praxis entgegengehalten, es gäbe andere wichtige Faktoren sozialer Ungleichheit (z.B. Armut). Hierzu ist anzumerken, dass es nicht um eine Entweder/Oder-Entscheidung geht. Eine sorgfältige Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht bedeutet immer, auch die Unterschiede innerhalb der Geschlechtergruppen zu berücksichtigen, z.B. Mädchen/Frauen und Jungen/Männer. (Quelle: Jahn I, Gender-Glossar) |
| Gender-Analyse |
Gender analysis |
| Gender-Blindheit |
Gender blindness |
| Gender-Sensibilität |
Gender sensitivity |
| Genderbewusstsein |
Gender awareness |
| Gendergleichstellung |
Gender equity |
| Genetische Epidemiologie |
Genetic epidemiology Die Wissenschaft, die sich mit der Ätiologie, dem Vorkommen und der Kontrolle der Krankheit in Gruppen von Verwandten und den Gründen für Erbkrankheiten in der Bevölkerung befassen. Untersucht die Rolle genetischer Faktoren und deren Interaktion mit anderen Genen oder Umweltfaktoren im Auftreten von Krankheiten in menschlichen Populationen. Die Studie der Häufigkeit, der Ursachen und der Kontrollierbarkeit der Krankheit im Zusammenhang mit den genetischen Faktoren. |
| Geschlecht |
Sex |
| Geschlechterverhältnisse |
Die Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht beinhaltet immer auch, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die durch Ungleichheit, Macht und Hierarchie gekennzeichnet sind, in den Blick zu nehmen. In vielen Fällen wird nach wie vor der Mann / Männlichkeit als Norm unterstellt (Androzentrismus, Gender Bias), z.B. wenn es um die Bewertung von Arbeit geht. Ein Beispiel, das in der Frauenbewegung immer eine herausragende Rolle gespielt hat, sind die Themen "Häusliche Beziehungsgewalt", "Geschlechtergewalt". (Quelle: Jahn I, Gender-Glossar) |

