Annals of Internal Medicine

Die Philosophie der Zeitschrift

Annals

Man sagt, dass die innere Medizin als medizinische Disziplin ihrem Ende entgegen sehe; die Kulturarbeit der Annals of Internal Medicine ist der Beweis für das Gegenteil. „Die Vollkommenheit in der Praxis der inneren Medizin und der klinischen Forschung zu fördern”, das ist die Mission der Zeitschrift, die eine der großen internationalen medizinischen Periodika ist. Sie richtet sich an ein qualifiziertes Publikum, das sich aus klinischen Experten, mit klinischer Forschung beschäftigten Wissenschaftlern und leitenden Persönlichkeiten des amerikanischen Gesundheitswesens zusammensetzt. Alles in allem sind dies über 87 Tausend Leser, von den zirka sechstausend Abonnenten der internationalen Ausgabe sind; interessant ist auch die Segmentierung des Publikums: 60 % Vollzeitmediziner; 12 % Studenten und Spezialisierende; 7 % Krankenhauspersonal; 8 % akademische Mediziner und leitende Personen aus der Verwaltung.

Was muss man der Redaktion der Annals für eine Veröffentlichung vorlegen?

Insbesondere Originalbeiträge sowie kommentierende Briefe zu anderen bereits veröffentlichten Arbeiten oder zu klinischen Fällen von besonderer Bedeutung. Sehr realistisch gesehen empfiehlt die Zeitschrift aufstrebenden Autoren, sich die Zusammensetzung der Leserschaft vor Augen zu halten, die in erster Linie aus klinischen Medizinern und Forschern besteht; sie schlägt auch vor, eine Art von Revision unter Gleichgesinnten mit dem Charakter einer Vorauswahl durchzuführen, also seine eigene Arbeit Kollegen zu geben, die bereit sind, Verbesserungsvorschläge zu dem Beitrag zu machen; gesetzt den Fall, der Artikel beinhaltet einen Teil mit Datenanalyse, so „verlangt“ die Zeitschrift die Beteiligung eines biostatistischen Experten in der Funktion des Koautors; ans Herz gelegt wird außerdem die gewissenhafte Kontrolle der Normen für Autoren, die sich quasi vollständig nach den Uniform requirements for manuscript submitted to biomedical journals richten. Da die Annals zu den Förderern der Konsensdokumente bezüglich des medizinischen Schreibens gehören, halten sie Autoren von Originalbeiträgen, die sich auf randomised controlled Trials, Guidelines, ökonomische Analysen und klinische Fälle zu Gegenreaktionen gegen Medikamente beziehen, dazu an, die respektiven Leitlinien zu diesen Themen zu beachten. Vielleicht ist es auch hilfreich, stets daran zu denken, dass der prozentuale Anteil angenommener Artikel sich generell um die 12 % bewegt, während der Anteil von originalen articles und brief communications nicht über 5 % liegt.
In der Zeitschrift finden sich auch Leitartikel und Überblicke, die fast immer von den Herausgebern an Exponenten des editorial board oder an Experten vergeben werden. „On being a doctor“ und „On being a patient“ sind die Titel zweier ziemlich origineller Rubriken, die man regelmäßig in der Zeitschrift finden kann. Anahand dieser Auswahl wird die Orientierung der Annlas erkenntlich, die zu Gunsten einer Aufwertung der sogenannten „medical humanities“ ausrichtet ist, welche in den Vereinigten Staaten Teil des medizinischen Ausbildungskatalogs sind.

Die peer reviews

Seit 1960 wird jeder der Zeitschrift unterbreitete Artikel einer kritischen Revision unterzogen. Mindestens ein Editor und ein Associate Editor lesen den Beitrag und entscheiden gemeinsam, ob es sich lohnt, ihn an externe Gutachter weiterzuleiten. Etwa 50 % der Artikel übersteht diese erste Hürde, woraufhin sie normalerweise an zwei „Schiedsrichter“ gesandt werden, die niemals der selben Institution angehören dürfen wie die Autoren. Letztere haben das Recht, darum zu ersehen, dass ihr Artikel nicht an bestimmte Gutachter gesandt wird, von denen sie annehmen, dass sie inkompatibel oder beeinflusst sein könnten. Die Begutachtung gibt Auskunft über die grundsätzliche Relevanz des Themas der Arbeit und deren Bedeutung für die Leserschaft der Zeitschrift, die Strenge der methodischen Logik der Studie und über die Transparenz der Präsentation. Verständlicherweise berücksichtigen die Herausgeber der Zeitschrift auch andere Kriterien von eher spezifisch „editorischer“ Art, will heißen die Priorität anderer Arbeiten, die eventuell zur Publikation anstehen, und die Anzahl der Beiträge aus dem selben medizinischen Fachgebiet, die bereits eingeplant sind. Also: nicht den Mut verlieren, wenn Sie eine Absage von den Annals erhalten, Sie befinden sich trotzdem in guter Gesellschaft.
Die Zeitschrift schenkt den relevantesten Aspekten bezüglich der Ethik medizinischer Publizistik, vom Interessenskonflikt bis hin zu doppelten Veröffentlichung, größte Aufmerksamkeit. Jeder Autor muss ein Formular ausfüllen, wenn er seinen Beitrag einreicht, in dem er jede Art von Unterstützung auflistet, die er zur Fertigstellung seiner Forschungen in Form von finanziellen Mitteln, Medikamenten oder Laborgeräten erhalten hat. Das ist aber noch nicht alles: auch im Teil „Methods“ des Artikels muss die Rolle der Institution, welche die Entwicklung des Projekts finanziert hat, offengelegt werden. Einen Schritt darüber hinaus stellt die Vorbereitung einer Erklärung dar, mit der der Autor bestätigen muss, dass er zu allen in der Studie gesammelten Daten auch tatsächlich Zugang hatte. Eine redundante Publikation ist eine ziemlich ernstzunehmende Angelegenheit im biomedizinischen Bereich, weshalb die Wissenschaftsredaktion der Zeitschrift von den Autoren fordert, jede vorangegangene, selbst partielle, Veröffentlichung anzugeben, die das gleiche Thema behandelt wie die vorgelegte Arbeit. An die Bewerbung um die Beurteilung eines neuen Artikels müssen also die vorangegangenen Arbeiten der Autoren zum selben Thema gleichfalls angehängt werden.

Wem gehören die Annals of Internal Medicine?

Die Zeitschrift ist Eigentum des American College of Physicians, der größten amerikanischen Wissenschaftsgemeinschaft.
1927 gegründet, nahm die Verbreitung des Periodikums mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu, genauso wie es konstant seinen impact factor verbessern konnte. Die Veröffentlichung der Zeitschrift ist Teil einer artikulierten und wertvollen kulturellen Aktivität, in deren Umfeld wir etwa die Edition des ACP Journal Club finden, einer der Initiativen von bedeutenden Sekundärpublikationen, die für Mediziner auf der ganzen Welt einen Begriff darstellt.

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