JAMA

Die Ziele der Zeitschrift

Alle Mediziner der Welt kennen es als JAMA, aber sein richtiger Name ist Journal of the American Medical Association: eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten medizinischen Fachzeitschriften, für die ein jeder Arzt gerne schreiben würde. Um die kulturelle Ausrichtung von JAMA besser zu verstehen, wollen wir erst einmal sehen, welche die „critical objectives“ der Publikation sind, die von der Wissenschaftsredaktion des Periodikums ausgegeben werden:

  • die Veröffentlichung von wichtigen, gut dokumentierten Originalartikeln, die kritischen Revisionen unterzogen werden, entweder zur angewandten Medizin oder zur labormedizinischen Forschung, über ein breites Feld medizinischer Themen;
  • dem Arzt eine Möglichkeit zur fortwährenden Weiterbildung auf dem Gebiet der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung zu geben, um fundierte klinische Entscheidungen zu gewährleisten;
  • den Medizinern die Möglichkeit geben, in den verschieden medizinischen Disziplinen stets aktuell informiert zu sein, und dies selbst in
  • den von den eigenen spezifischen Kompetenzen weit entfernten Bereichen;
  • auf internationalem Niveau die öffentliche Gesundheit verbessern, indem die Qualität der Versorgung, die Fähigkeit zur Krankheitsvorbeugung und die von qualifizierten Medizinern durchgeführte Forschung verbessert werden;
  • einen verantwortungsbewussten und ausgeglichenen Disput über kontroverse Themen anregen, die die Medizin und das Gesundheitswesen beschäftigen;
  • die Diskussion über wichtige Fragen und mögliche medizinische und versorgungstechnische Entwicklungen vorwegnehmen;
  • die Leser über nicht-klinische Aspekte der Medizin und des öffentlichen Gesundheitswesens informieren, darin inbegriffen politische, philosophische, ethische, rechtliche, umweltspezifische, ökonomische, geschichtliche und kulturelle Gesichtspunkte;
  • abgesehen von den bisher genannten Zielen gilt es anzuerkennen, dass die Zeitschrift auch eine soziale Verantwortung trägt für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung weltweit und die Werbung für die Integrität der Wissenschaft;
  • das höchstentwickelte Niveau von medizinisch-wissenschaftlichem Journalismus erreichen, um eine Zeitschrift zu schaffen, die schnell, aktuell und glaubwürdig und gleichzeitig angenehm zu lesen ist.
Der Aufbau der Zeitschrift

Diese fast schon „gebotsartige“ Liste von ambitionierte Zielen des JAMA schreibt sich jede Woche in eine Zeitschrift ein, die mit einem informativen Teil öffnet, der sehr gut ausgearbeitet und ziemlich interessant ist: mit kurzen Artikeln, Hinweisen aus anderen Zeitschriften und von amerikanischen Institutionen wie beispielsweise den Centers for Diesease Control. Wertvoll aus dieser Rubrik sind auch die ausgedehnten „Reviews“, die aus der Zeitschrift Morbidity and Mortality Weekly Report entnommen sind.
Danach ist Platz für Leserbriefe (bezeichnenderweise stehen diese am Anfang der Zeitschrift; sie haben maximal 600 Wörter – im Falle derjenigen, die einen „case report“ darstellen – und sechs bibliographische Angaben), dann folgen die renommierten Originalbeiträge, die sich stets medizinisch hoch relevanten Themen widmend und nicht länger als 4000 Wörter sein dürfen. Zahlreich sind auch die Publikationen bezüglich der Ergebnisse von klinischen Tests und Metaanalysen. Jedem „original article“ steht ein strukturierter Abstract voran, der mit anderen Worten entsprechend des IMRAD-Rasters artikuliert ist: Einleitung, Materialien und Methodik, Ergebnisse und Diskussion. Erst danach breiten sich die Leitartikel aus, die häufig vertiefende Argumente zu den „original articles“ der selben Ausgabe liefern.
Das JAMA hebt sich von den anderen großen internationalen medizinischen Fachzeitschriften durch seine Entscheidung ab, auf der Titelseite weder eine Kurzübersicht noch irgendein Highlight wiederzugeben, sondern lediglich ein Bild, fast immer ein Gemälde, das auf den einleitenden Seiten von einem Redakteur oder Mitarbeiter der Zeitschrift detailliert kommentiert wird.

Die Geschichte des JAMA

Im Jahr 1847 gründete Nathan S. Davis im Umfeld der Academy of Natural Sciences in Philadelphia die American Medical Association. Die Gesellschaft verfasste noch im selben Jahr ein Dokument über Informationsrequisiten für Mediziner und einen Kodex zur medizinischen Ethik. Eine der ersten grundlegenden Aufgaben, die von der neugeborenen Gesellschaft in Angriff genommen wurden, war der Kampf gegen die Scharlatane, die auch in jener Zeit den Bürgern Wunderheilungen ihrer Krankheiten versprachen; 1849 konstituierte die AMA ein Komitee von Medizinern, das sich eigens der Bekämpfung der „quackery“ in der Medizin widmen sollte. Im selben Jahr erhielt der Gründer der AMA einen Lehrstuhl für Physiologie an der Rush Medical School von Chicago; nach weniger als einem Jahrzehnt, gab Davis die Stelle auf, um eine neue Schule zu gründen, die 1892 dann zur Northwestern University Medical School wurde. Das offizielle Organ der Gesellschaft wurde 1883 gegründet und es braucht wohl kaum erwähnt werden, dass Nathan Davis der erste Direktor wurde. Fünf Jahre später begann die Gesellschaft Mittel für medizinisch-wissenschaftliche Forschung zu bewilligen. Das JAMA wurde folglich zum offiziellen Organ der America Medical Association. Aus diesem Grund spielt es eine heikle Rolle, die auch für die charismatischsten Führungspersönlichkeiten nicht einfach zu handhaben ist. Unter den in den vergangenen Jahren von der Zeitschrift immer wieder vertieft behandelten Themen wollen wir nur den Interessenskonflikt in der Medizin und die kritische Revision der biomedizinischen Literatur hervorheben.

Unter den zahlreichen Verdiensten des JAMA sei allein an das stete Bemühen erinnert, das Bewusstsein der Nutzer des Gesundheitssystems und die Kompetenzen der Ärzte hinsichtlich einer kritischen Beurteilung medizinsicher Informationen zu schärfen. Am Ende jeder Ausgabe der Zeitschrift findet sich die „Patient’s page“: ein paar Zeilen, in denen kurz und bündig in einfachen Worten, kurzen Sätzen und klarer, unmissverständlicher Botschaft ein klinisches Problem oder eine spezifisch-vorbeugende medizinische Aktivität erklärt wird. Dies ist ein Beispiel korrekter medizinischer „Verständlichmachung“ und gleichzeitig ist es eine unverständliche Entscheidung, gerade diese Rubrik den Bürgern, die online die Zeitschrift lesen, nicht frei zugänglich zu machen.
Abgesehen davon hat der Users’ Guide to Medical Literature in der Tat den Medizinern der ganzen Welt die Prinzipien der Methode der auf Effizienzproben basierenden Medizin erklärt.

EBM verstehen, praktizieren und unterrichten

Um die Inhalte des Users’ Guide den Medizinern und Studenten überall auf der Welt einfach zugänglich zu machen, wurde der Users’ Guide Interactive kreiert. Dabei handelt es sich um einen kostenpflichtigen, über Internet abrufbaren Service, der alle Materialien sammelt, die gleichermaßen in gedruckter Form oder auf CD-Rom veröffentlicht wurden, und zusätzlich mit integrativen Texten angereichert wird, die ausdrücklich für die Web-Nutzung konzipiert sind. Drei Nutzungsmöglichkeiten sind vorgesehen: Learner, Practitioner und Teacher. Erstgenannter nutzt die Interaktivität und die Navigation im Internet, um sich umgehend die Methodik der EBM verständlich zu machen. Die zweite Art wendet sich an den „busy clinician“, dem ein Desktop zur Verfügung gestellt wird, der reich an Vorschlägen zu evidenz-spezifischen Internetressourcen, bibliographischen Datenbanken und Links ist. Die dritte Stufe schließlich, die Version „Teacher“, präsentiert sich als Instrument zur Didaktik der EBM.


Diese Zeitschrift ist über die VMB zugänglich

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