Primary nursing

Das Primary Nursing wurde 1968 vom University of Minnesota Hospital entwickelt; es handelt sich um ein Organisationssystem, das seither in vielen Krankenhäusern in den Vereinigten Staaten und weltweit eingesetzt wird.

Es umfasst folgende Schlüsselbegriffe:
1. Zuweisung und Akzeptanz individueller Verantwortung für Entscheidungen; mit diesem dezentralisierten Entscheidungsansatz wird der Kommunikationsfluss vereinfacht und alle getroffenen Entscheidungen basieren auf der Kenntnis der Bedürfnisse der PatientInnen und auf der Beziehung mit ihnen und ihren Familienangehörigen.
2. Zuweisung der täglichen Pflege nach der Fallmethode (case method);
3. direkte Kommunikation;
4. umfassende pflegerische Verantwortung für bestimmte PatientInnen innerhalb einer Station 24 Stunden am Tag, an 7 Tagen in der Woche.

Der dezentralisierte Entscheidungsansatz gründet sich auf drei Grundbegriffe:
– die Entscheidungsgewalt einer Pflegeperson (authority)
– die Verantwortung (responsibility)
– die Rechenschaft (accountability).

Der erste stellt den Bereich der Entscheidungsgewalt der Pflegekraft dar, das heißt wie weit ihr Recht geht, im professionellen Bereich, für den sie verantwortlich ist, eine Entscheidung zu treffen, und dementsprechend zu handeln.
Der Begriff der Verantwortung (responsibility) hat zwei Aspekte; er bezieht sich auf:
– Zuweisung, Delegierung oder Abtretung der Verantwortung für die Pflege (oder auch nur für eine bestimmte Aufgabe) für einen Patienten an die Pflegeperson
– ein Prozess der Akzeptanz der Verantwortung (accountability)

Im Fall des Primary Nursing wird die Pflegeperson, die diese Verantwortung übernimmt, als solche sowohl von den ihr anvertrauten PatientInnen als von deren Familienangehörigen und allen anderen Mitgliedern des Pflegeteams anerkannt. Dies ist möglich durch die Zuweisung der Fälle als Arbeitsmethode.

Für die Zuweisung der Fälle sollten insbesondere zwei Kriterien angewendet werden:
– die Komplexität der Pflege, die ein/e bestimmte/r Patient/in braucht;
– die Kompetenz der entsprechenden Pflegeperson.

Eine Pflegeperson sollte in der Lage sein, jederzeit gegenüber den PatientInnen, ihre Angehörigen und auch gegenüber den Vorgesetzten ihre therapeutischen Entscheidungen zu motivieren und zu erklären, auf welchen wissenschaftlichen Kenntnissen diese basieren. Nur so kann eine Pflegekraft beweisen, dass sie effektiv im weitesten Sinn verantwortlich ist für die PatientInnen, die ihr zugeteilt wurden und für die sie die Verantwortung von deren Aufnahme ins Krankenhaus bis zu seiner Entlassung übernommen hat.

Quellen:
Galetti P, Costazza G, Mischo-Kelling M. Premessa all’edizione italiana di: La pratica del Primary Nursing (pp. IX-XIII), Manthey M, Il Pensiero Scientifico Editore, Roma, 2008.

Manthey M. The practice of Primary Nursing, Creative Health Care Management, Minneapolis, 2002.

Link:
Bibliographie über Primary nursing

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