Alkoholkonsum und die Gesundheit des Gehirns

Laut einer von Anya Topiwala (University of Oxford) et al. durchgeführten Studie wirkt sich bereits moderater Alkoholkonsum schädlich auf das Gehirn aus.

Eine Beobachtungsstudie hat den Alkoholkonsum und die kognitive Leistung von mehr als 500 britischen öffentlichen Angestellten (Durchschnittsalter 43.0 [SD 5.4]Jahre) über einen Zeitraum von 30 Jahren (1985-2015) wöchentlich untersucht. Am Ende der Studie wurde bei allen TeilnehmerInnen eine Magnetresonanztomographie durchgeführt. Keine/r der ProbandInnen war alkoholabhängig.

Die wichtigsten Ergebnisse
Ein hoher Alkoholkonsum war in dem dreißigjährigen Beobachtungszeitraum mit einer größeren Wahrscheinlichkeit des Schwunds von Gehirnmasse im Hippocampus verbunden, abhängig von der Alkoholmenge; wer mehr als 30 Einheiten in der Woche konsumierte, hatte das höchste Risiko im Vergleich zu Nicht-Trinkern (Odds Ratio 5.8, 95% Konfidenzintervall 1.8-18.6; P≤0.001). Ein hoher Alkoholkonsum stand im Zusammenhang mit Unterschieden in der Mikrostruktur des Corpus callosum und einer schnelleren Abnahme der Sprachflüssigkeit.

Selbst wer nur moderat trank (14-21 Einheiten pro Woche), hatte eine dreimal größere Wahrscheinlichkeit einer Atrophie des rechten Hippocampus  (3.4, 1.4-8.1; P=0.007).

Mäßiger Alkoholgenuss (1 bis 7 Einheiten Alkohol pro Woche) brachte dagegen keinerlei Vorteil gegenüber Abstinenz. Dieses Ergebnis widerlegt die verbreitete Meinung, dass geringer Alkoholgenuss gut für die Gesundheit sei.

Hier soll daran erinnert werden, dass eine Alkoholeinheit (AE) etwa 12 Gramm Ethanol entspricht, das ist ein kleines Glas Wein (125 ml) mit durchschnittlichem Alkoholgehalt oder ein Dose Bier (330 ml) mit durchschnittlichem Alkoholgehalt, bzw. ein Gläschen (40 ml) hochprozentiger Alkohol.

Die Implikationen der Studie
Wie Killian Welch (Neuropsychiater am Royal Edinburgh Hospital) feststellt, bestätigt die britische Studie die Annahme, dass mögliche positive Wirkungen von Alkohol, wenn überhaupt, auf einen sehr geringen Konsum beschränkt sind, also nicht mehr als eine Einheit pro Tag. Die wissenschaftlichen Belege reichen jedoch nicht aus, um Abstinenzlern nahezulegen, Alkohol zu trinken.

 „Je mehr Alkohol getrunken wird”, fährt Welch fort, „desto größer sind die Risiken für die Gesundheit, wahrscheinlich dosisabhängig. Einer hoher Alkoholkonsum ist mit potentiell ernsthaften Beeinträchtigungen des Gedächtnisses und der exekutiven Funktionen verbunden, selbst wenn keine weiteren Risikofaktoren vorhanden sind“. Bei steigender Lebenserwartung ist es besonders wichtig, die Gesundheit des Gehirns bis ins hohe Alter zu erhalten, bemerkt Welch, und fügt hinzu, dass Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich für 10 % der Fälle von vorzeitiger Demenz verantwortlich ist.

Er schließt: „Die Ergebnisse der Studie von Topiwala et al. sprechen dafür, dass ein von vielen als normal angesehener Alkoholkonsum sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Das ist ein wichtiger Anhaltspunkt. Wir alle greifen auf Rationalisierungen zurück, um die Fortdauer von Verhaltensweisen zu rechtfertigen, die langfristig nicht in unserem Interesse sind. Mit der Veröffentlichung dieses Artikels wird es ein bisschen schwieriger zu behaupten, dass ´moderater` Alkoholgenuss gut für unser Gehirn sei“.

Alkoholkonsum und Tumoren
Auch die American Society of Clinical Oncology (ASCO) warnt in einem Statement vor Alkohol: Egal ob gering, moderat oder hoch, der Genuss von Alkohol dürfte einen Risikofaktor für zahlreiche Tumoren darstellen, darunter Karzinome von Brust, Kolon, Speiseröhre und im Kopf-Hals-Bereich: Zwischen 5 und 6 % der neu diagnostizierten Karzinome und der Todesfälle sollen direkt auf Alkoholkonsum zurückzuführen sein. Wenn während einer onkologischen Behandlung weiter Alkohol getrunken wird, kann dies die Wirkung der Therapie verzögern oder sich negativ auf sie auswirken.

Quellen:
Topiwala A et al. Moderate alcohol consumption as risk factor for adverse brain outcomes and cognitive decline: longitudinal cohort study. BMJ 2017;357:j2353
Welch KA. Alcohol consumption and brain health. BMJ 2017;357:j2645
LoConte NK et al. Alcohol and Cancer: A Statement of the American Society of Clinical Oncology. DOI: 10.1200/JCO.2017.76.1155 Journal of Clinical Oncology 2018; 36 (1): 83-93.