Eine in JAMA Network Open erschienene Kohortenstudie wirft neues Licht auf den komplexen Zusammenhang zwischen der Ernährung in der frühen Kindheit und der neurologischen Entwicklung und zeigt, dass ein hoher Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) im Alter von drei Jahren mit einem Anstieg von Verhaltensstörungen und emotionalen Störungen im Alter von fünf Jahren assoziiert ist. Die Studie mit einer Kohorte von 2077 Kindern aus der kanadischen CHILD Cohort Study bediente sich der NOVA-Klassifikation, um Lebensmittel als hochverarbeitet einzustufen, das heißt mit einem hohen Anteil an Zusatzstoffen, raffiniertem Zucker und gesättigten Fetten, aber wenigen Mikronährstoffen und Ballaststoffen, während die Exposition anhand von Ernährungsfragebögen untersucht wurde. Die Auswirkungen auf das Verhalten wurden dagegen mit der Child Behavior Checklist (CBCL) gemessen, die sowohl internale Probleme wie Ängstlichkeit und depressive Verstimmungen sowie externale Probleme, zum Beispiel Aggressivität und Hyperaktivität, erfasst. Die Daten offenbarten, dass mit jedem Anstieg um 10 % der Energiezufuhr durch UPF signifikant höhere Werte auf allen Skalen des CBCL einhergingen, was auf tiefgreifende Auswirkungen auf die Emotionsregulation verweist.
Von besonderem Interesse für die klinische Praxis ist die Analyse der statistischen Daten der Substitionsmodelle. Die Autor:innen zeigten, dass die isokalorische Substitution von
10 % der hochverarbeiteten Lebensmittel mit kaum oder nicht verarbeiteten Nahrungsmitteln zu einer messbaren Verbesserung der Verhaltenswerte führt. Dies legt nahe, dass Ernährungsmaßnahmen für Kinder sich nicht auf die Kalorienreduktion oder die Gewichtskontrolle beschränken, sondern auf die Qualität der Lebensmittel und die Vermeidung von Industrieprodukten zielen sollten, um die psychischen Gesundheit der Kinder zu unterstützen.
Was die physiopathologischen Aspekte angeht, vermutet die Studie einen Zusammenhang zwischen UPF und Verhaltensstörungen durch Mechanismen, die auf systemische Entzündungen, Veränderungen des Darm-Mikrobions und die Aufnahme von chemischen Stoffen aus den Verpackungsmaterialien und durch die Verarbeitungsprozesse zurückzuführen sind. Auch wenn weitere Studien notwendig sind, bieten diese Erkenntnisse dem Fachpersonal eine gute empirische Grundlage, um die drastische Reduktion von zuckerhaltigen Getränken, Snacks und Fertiggerichten anzuraten und eine Ernährung mit vollwertigen, frischen Lebensmitteln als Strategie der primären Prävention zu empfehlen, für die psychophysische Gesundheit der jungen Generation.
Quelle
Kavanagh ME et al. Ultraprocessed food consumption and behavioral outcomes in canadian children. JAMA Netw Open. 2026;9(3):e260434.
