Ein italienischer Survey zur Impfmüdigkeit von Eltern

Insgesamt wurden – online oder in Kinderarztpraxen – 3130 Fragebögen an Eltern mit Kindern von 16-36 Monaten verteilt, um den Anteil an Impfmüdigkeit (vaccine hesitancy) festzustellen und die Determinanten zu ermitteln. Die Ergebnisse dieses Surveys, der im Jahr 2016 von italienischen Forscherinnen und Forschern (darunter einige vom Istituto superiore di sanità) durchgeführt wurde, sind im Januar 2018 in der internationalen Fachzeitschrift Vaccine erschienen.

Die Eltern wurden, ausgehend vom Impfstatus ihrer Kinder (den sie selbst mitteilten), als „Impfbefürworter“, „Impfmüde“ und „Impfgegner“ klassifiziert, mit einem Anteil von jeweils 83,7 %, 15,6 % und 0,7 %.

Sicherheit war der wichtigste Beweggrund dafür, eine Impfung abzulehnen (38,1 %) oder abzubrechen (42,4 %).

Aus der Untersuchung ging auch hervor, dass der Kinderarzt oder die Kinderärztin sowohl für die Impfbefürworter (96,9) wie die Impfmüden (83,3 %) unter den Eltern als zuverlässigste Informationsquelle galt, gegenüber 45 % der Impfgegner.

Folgende Faktoren tragen maßgeblich zur Impfmüdigkeit bei:

  • der Kinderarzt/die Kinderärztin hat nicht empfohlen, sämtliche Impfungen durchzuführen;
  • widersprüchliche Meinungen über Impfungen gehört zu haben;
  • die Begegnung mit Eltern von Kindern, bei denen schwere Nebenwirkungen aufgetreten sind;
  • die Bevorzugung nicht traditioneller Heilmethoden.

Fehlinformationen
Obgleich zahlreiche Studien widerlegt haben, dass Impfungen mit der Gefahr von Autismus einhergehen, haben 21 % der befragten Eltern immer noch diese Überzeugung.

44 % der Eltern glauben dagegen, dass viele Impfstoffe Quecksilber enthalten, obgleich Thiomersal nicht mehr als Konservierungsstoff eingesetzt wird, ausgenommen Grippeimpfstoff in Multidosis-Packungen.

32 % der Eltern wiederum fürchten, dass das Immunsystem von Impfungen geschwächt wird.

Die Rolle des Internets
Auch wenn 60 % der Eltern im Internet nach Informationen suchen, gehört das Web nicht zu den drei wichtigsten Informationsquellen. Es wird von 33 % der Eltern als ausreichend oder sehr zuverlässig angesehen. „Dies spricht dafür, dass die Bevölkerung sich der Tatsache bewusst ist, dass die Qualität der Informationen, die man im Internet findet, sehr unterschiedlich ist und kritisch bewertet werden muss“, bemerken die AutorInnen der Studie.

Die Rolle der KinderärtztInnen
„Das medizinische Fachpersonal spielt eine Schlüsselrolle darin, die Eltern über Impfungen zu informieren. Sowohl für impfbefürwortende wie für impfkritische Eltern sind KinderärztInnen und andere Gesundheitsfachkräfte die am häufigsten konsultierten und vertrauenswürdigsten Informationsquellen. Wenn der Kinderarzt/die Kinderärztin empfiehlt, alle Impfungen machen zu lassen, scheint das die Entscheidung wesentlich zu beeinflussen“, schreiben die AutorInnen der Untersuchung (…). „Jedoch geben nur 84 % der Eltern an, dass ihr Kinderarzt oder ihre Kinderärztin empfohlen hat, alle Impfungen zu machen, was bestätigt, dass die Impfmüdigkeit auch die medizinischen Fachkräfte betrifft, wie aus anderen Quellen ersichtlich“.

Wie lässt sich die Impfmüdigkeit verringern?
Abschließend wird empfohlen, eine Reihe von Strategien und Maßnahmen zu umzusetzen, die sich sowohl an die Bevölkerung als auch an die medizinischen Fachkräfte wenden. Wichtig ist es auch, dass die Eltern schlüssige Ratschläge und Informationen erhalten, die mit den offiziellen nationalen Empfehlungen übereinstimmen, „um eine Vertrauensbeziehung zu den impfmüden Eltern aufzubauen und die Befürworter zu unterstützen“.

Die Situation in Südtirol
Südtirol gehört zu den italienischen Regionen mit den niedrigsten Durchimpfungsraten. Um dieser Tendenz entgegen zu wirken, wurde Ende 2017 die Präventionskampagne „Weil Leben Freude macht“ gestartet. Darüber hinaus soll ermittelt werden, welchen Einschränkungen beim Angebot der Sanitätsbetriebe vorliegen.

Quellen
Giambi C et al. Parental vaccine hesitancy in Italy – Results from a national survey. Vaccine (2018), https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2017.12.074

Zum Weiterlesen
Epicentro(ISS): Vaccini.
Quaderno del ministero della Salute. Vaccinazioni, stato dell’arte, falsi miti e prospettive. Il ruolo chiave della prevenzione, N. 27, marzo 2017.
Riccardo Saporiti. Vaccini, ecco come Bolzano prova a rialzare le coperture. Wired, 30 Nov, 2017.
Südtiroler Sanitätsbetrieb. Vorsorgen durch Impfung