Das Risiko für Vorhofflimmern steigt

Das Risiko für Vorhofflimmern ist in den letzten beiden Jahrzehnten gestiegen und betrifft heute nicht mehr einen von vier, sondern einen von drei Menschen, wie eine im BMJ veröffentlichte dänische Studie feststellt. Zwei von fünf Betroffenen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Herzinsuffizienz, einer von fünf erleidet einen Schlaganfall, während sich das evidente Risiko im Studienverlauf von zwanzig Jahren minimal oder gar nicht verbessert hat.

Schätzungen zufolge werden bis 2060 in Europa 18 Millionen Menschen und in den Vereinigten Staaten bis 2050 16 Millionen Menschen unter Vorhofflimmern leiden. Allein der britische NHS registriert jedes Jahr mehr neue Fälle von Vorhofflimmern als Fälle der vier häufigsten Krebsarten und die mit Vorhofflimmern verbundenen Ausgaben betragen mittlerweile 2,5 Milliarden Pfund.

Tritt bei einem Patienten Vorhofflimmern auf, konzentriert sich die Behandlung vor allem auf das Schlaganfallrisiko, während andere Komplikationen wie Herzinsuffizienz und Infarkt weiterer Studien bedürfen.

Deswegen analysierten die Forschenden die Daten von 3,5 Millionen dänischen Erwachsenen im Alter von 45 Jahren oder darüber, die noch nicht an Vorhofflimmern erkrankt waren, um festzustellen, ob sie  während des Studienzeitraums (2000-2023) erkrankt waren.

Bei den 362 721 Patient:innen, welchen in diesem Zeitraum das erste Mal Vorhofflimmern diagnostiziert worden war, allerdings ohne weitere Komplikationen (46 % Frauen und 54 % Männer), wurde nachverfolgt, ob später Herzinsuffizienz, Schlaganfall oder Infarkt auftraten.

Außerdem wurden potenzielle Einflussfaktoren wie Hypertonie, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte, Herzinsuffizienz, chronische Lungen- und Nierenerkrankungen, Familieneinkommen und Bildungsniveau berücksichtigt,

Es zeigte sich, dass das Lebenszeitrisiko für Vorhofflimmern von 24 % in den Jahren 2000-2010 auf 31 % im Zeitraum 2011-2022 gestiegen war. Der Anstieg war bei Männern und Menschen mit Herzinsuffizienz, Infarkt, Schlaganfall, Diabetes und chronischer Nierenerkrankung größer.

Bei Patient:innen mit Vorhofflimmern war die häufigste Komplikation Herzinsuffizienz (Lebenszeitrisiko: 41 %). Sie trat doppelt so häufig auf wie jede Art von Schlaganfall (21 %) und viermal häufiger als Herzinfarkt (12 %).

Männer hatten bei Vorhofflimmern ein größeres Risiko für Herzinsuffizienz (44 % versus 33 %) und Infarkt (12 % versus 10 %) als Frauen, während das Schlaganfallrisiko bei Männern etwas niedriger lag als bei Frauen (21 % versus 23 %).

Während des Studienzeitraums von 23 Jahren gab es praktisch keine Verbesserung in Bezug auf das Risiko für Herzinsuffizienz nach dem Auftreten von Vorhofflimmern (43 % in den Jahren 2000-2010 gegenüber 42 % im Zeitraum 2011-2022), und nur einen geringen Rückgang des Risikos von Herzinsuffizienz nach Vorhofflimmern. Das Risiko für jede Form von Schlaganfall, ischämischem Schlaganfall und Infarkt nach Vorhofflimmern war bei Männern und Frauen ähnlich.

Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, weswegen Ursache und Wirkung nicht abschließend bestimmt werden können. Die Autor:innen sind sich bewusst, dass sie möglicherweise Menschen mit nicht diagnostiziertem Vorhofflimmern übersehen haben und keine Informationen über die ethnische Herkunft oder den Lebensstil besaßen. Es könnte also sein, dass die Ergebnisse nicht auf andere Länder oder Kontexte übertragbar sind.

Während des Studienzeitraums standen die Maßnahmen zur Prävention von Schlaganfällen im Mittelpunkt von Forschung und Leitlinien, es gibt jedoch keine Belege dafür, dass diese Maßnahmen auch der Prävention von Herzinsuffizienz dienen, erklären die britischen Forscher:innen im begleitenden Editorial.

Sie regen daher an, dass sowohl die randomisierten klinischen Studien wie die Leitlinien entsprechend ausgerichtet werden, „damit sie die realen Bedürfnisse der in der ganzen Welt von Vorhofflimmern Betroffenen wiedergeben“ und betonen, dass diese solide Beobachtungsstudie „neue Informationen bietet, die die Prioritäten und den Entwurf der Leitlinien zur Diskussion stellen und die Forschung und die klinischen Praxis vor die Frage stellen, wie man die wachsenden Belastungen durch Vorhofflimmern mindern kann.“

Fonte

Vinter N et al. Temporal trends in lifetime risks of atrial fibrillation and its complications between 2000 and 2022: Danish, nationwide, population based cohort study. BMJ. 2024;385:e077209.