Eine in Neurology veröffentlichte schwedische Langzeitstudie, für die Daten der „Malmö Diet and Cancer“-Kohorte analysiert wurden, legt nahe, dass der Verzehr von Käse und Sahne mit hohem Fettgehalt langfristig mit einem verminderten Demenzrisiko assoziiert ist.
Vor dem Hintergrund eines starken Anstiegs der Demenz-Fälle in der ganzen Welt – Schätzungen besagen, dass es 2050 bis zu 153 Millionen sein könnten – sind die beeinflussbaren Risikofaktoren ein zentrales Thema der öffentlichen Gesundheit. Ernährung gilt als einer der wichtigsten Faktoren für Prävention, jedoch ist die spezielle Rolle von Milchprodukten schon lange Gegenstand von Diskussionen, da es sich um komplexe Lebensmittel handelt, deren Fettgehalt stark variiert.
Die Studie begleitete mehr als 27 000 Erwachsene im Mittel 25 Jahre lang und sah eine sehr detaillierten Bewertung der Ernährung vor, die sich aus Ernährungstagebüchern, Fragebögen und Einzelinterviews zusammensetzte. Bei der Analyse der Daten stellten die Forschenden fest, dass Teilnehmer, die täglich 50 Gramm oder mehr Käse mit über 20 % Fettgehalt aßen, gegenüber Menschen mit geringerem Verzehr ein um 13 % vermindertes Demenzrisikos aufgrund jeglicher Ursache hatten, während es bei vaskulärer Demenz sogar um 29 % reduziert war. Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich beim Konsum von hochfetter Sahne (über 30 % Fettgehalt), deren regelmäßiger Verzehr mit einer Verminderung des Demenzrisikos insgesamt um 16 % assoziiert war, während es auch bei Alzheimer und vaskulärer Demenz einen positiven Effekt gab.
Für die klinische Praxis ist die Spezifizität dieser positiven Wirkung von besonderem Interesse: Die Studie fand keinerlei Schutzeffekt bei Milchprodukten mit niedrigem Fettgehalt wie Milch oder Käse und ebenso wenig bei Butter. Darüber hinaus entdeckten die Forschenden, dass die schützende Wirkung von fettem Käse in Bezug auf Alzheimer nur Menschen ohne die Genvariante APOE e4 betraf. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse sind besonders hinsichtlich der aktuellen Ernährungsleitlinien wie der MIND-Diät von Interesse, die im Allgemeinen empfehlen, wenig Käse zu verzehren, da er als potenziell schlecht für die kognitive Gesundheit gilt. Aber obgleich es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keine ursächlichen Zusammenhänge aufzeigt, legen die solide Methodologie und die lange Nachbeobachtungszeit nahe, genauer zu untersuchen, wie die verschiedenen Inhaltsstoffe von Milchprodukten und ihre Verarbeitung neurodegenerative Prozesse beeinflussen.
Quelle
Du Y et al. High- and low-fat dairy consumption and long-term risk of dementia: evidence from a 25-year prospective cohort study. Neurology2026;106(2):e214343.
