Die jahrzehntelange Diskussion über die Prävention von Prostatakrebs flammt nach der neuesten, umfassenden Aktualisierung durch eine große randomisierte klinische Studie, die in Europa über einen Zeitraum von 23 Jahren durchgeführt wurde, wieder heftig auf. Die Daten stellen den Nutzen des umfassenden PSA-Screenings in Frage und zeigen, dass der Nutzen bei der krebsspezfischen Mortalität gering ist.
Die Studie, die ab 1993 mit mehr als 160 000 erwachsenen Männern aus verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt wurde, gilt als wichtiger Orientierungspunkt in Bezug auf den Nutzen des PSA-Screenings. Obwohl die langfristigen Ergebnisse eine Reduktion der krankheitsspezifischen Todesfälle im betreffenden Zeitraum aufzeigen, mit einer krebsspezifischen Sterblichkeitsverringerung um 13 % in der Screening-Gruppe, dämpft die Analyse der absoluten Zahlen den Optimismus.
Das absolute Sterblichkeitsrisiko aufgrund dieser Neoplasie verringert sich lediglich um 0,2 %. Das bedeutet unter praktischen Gesichtspunkten, dass ca. 500 Männer einen PSA-Test machen müssen, um einen einzigen durch diesen Tumor verursachten Todesfall zu vermeiden.
Die andere Seite: Überdiagnose und potenzielle Schäden
Neben dem überschaubaren Nutzen offenbart die Studie den hohen Preis der Prävention: Das Screening führte zu einem Anstieg der Krebsdiagnosen um 30 %, das heißt, ca. 27 Fälle mehr je 1000 Männer; in den allermeisten Fällen handelte es sich um Neoplasien mit niedrigem Risiko, die wahrscheinlich niemals ein Gesundheitsproblem dargestellt hätten.
Von wesentlicher Bedeutung sind auch die Daten über die Gesamtmortalität: Sie war in beiden Gruppen gleich (49 %). Was die Annahme nahelegt, dass bei vielen eine frühe Diagnose das Leben nicht verlängert.
Es handelt sich um ein wahres Dilemma. Wie namhafte Kommentatoren anmerken, haben von 500 Männern, die sich dem Test unterziehen, 499 keinerlei Nutzen. Dagegen sind viele von ihnen konkreten Risiken von Komplikationen ausgesetzt, die mit den Untersuchungen (Biopsien) und den Therapien (chirurgische Eingriffe) einhergehen, darunter Probleme wie Inkontinenz und Impotenz.
Der Ruf nach Transparenz
Das Problem ist, dass der heute verfügbare Test nicht mit Sicherheit zwischen einem aggressiven Tumor und einem niedrig aggressiven Prostatakarzinom unterscheiden kann. Die Spezialist:innen betonen, wie wichtig es ist, dass die verfügbaren Informationen mit den Patienten mit großer Offenheit und Transparenz diskutiert werden. Da der Nutzen so begrenzt ist, handelt es sich bei der Teilnahme am Screening um eine sehr persönliche Entscheidung, die Fall für Fall, ausgehend von der Krankheitsgeschichte und der Risikobereitschaft oder Ängstlichkeit des Patienten getroffen werden sollte.
Quelle
Roobol MJ et al.; ERSPC Investigators. European study of prostate cancer screening – 23-year follow-up. N Engl J Med 2025;393(17):1669-1680.
