Der 22. Januar 2026 ist ein historisches Datum für die globale Gesundheitspolitik: Die Vereinigten Staaten von Amerika haben nach einem einjährigen Austrittsprozess die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell verlassen. Donald Trump hatte am 20. Januar 2025, am ersten Tag seiner neuen Amtszeit, den Austritt angeordnet und damit eine Position wiederaufgenommen, die er schon in seiner ersten Amtszeit vertreten hatte. In einer von Außenminister Marco Rubio und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. veröffentlichten Erklärung werden als Gründe die Unzufriedenheit über den Umgang mit globalen Gesundheitskrisen, insbesondere der COVID-19-Pandemie, sowie ein angeblicher Mangel an Transparenz und Unabhängigkeit der WHO in Bezug auf den Einfluss einiger Staaten genannt.
Der Abschied der USA, die zu den Gründungsmitgliedern der WHO gehören, sorgt für eine komplexe Lage, sowohl unter finanziellen wie in operativen Gesichtspunkten. Washington war immer der größte Geldgeber der WHO und steuerte ca. 20 % des jährlichen Budgets über verpflichtende sowie freiwillige Zahlungen bei. Zum Zeitpunkt des Austritts ist die Frage der ausstehenden Schulden in Höhe von rund 260 Millionen Dollar ungeklärt. Die amerikanische Regierung hat erklärt, diese nicht begleichen zu wollen, da die Kosten schon von den amerikanischen Steuerzahlern durch die erheblichen wirtschaftlichen Verluste während der Pandemie bezahlt worden seien.
Die Reaktion der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft und Gesundheitsbehörden ist von tiefer Sorge geprägt. Viele Expert:innen warnen, dass das Fehlen der USA bei der globalen Koordination die epidemiologische Überwachung und die Bewältigung zukünftiger Epidemien beeinträchtigen könnte. Dagegen hat die amerikanische Regierung verkündet, ihre Führungsrolle in der öffentlichen Gesundheit nicht aufgeben, sondern über bilaterale Abkommen mit einzelnen Staaten und Nichtregierungsorganisationen ausüben zu wollen, unter Umgehung der Vereinten Nationen. Mit dieser Entscheidung sind die USA das erste Land, das die Weltgesundheitsorganisation seit ihrer Gründung im Jahr 1948 verlässt, was eine radikale Neuausrichtung der weltweiten Gesundheitskooperation in den nächsten Jahren zur Folge hat.
