KI in der primären Gesundheitsversorgung: Was auf uns zukommt

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der klinischen Praxis ist heute schon Realität, doch stellt sich die Frage: Ist er immer „wünschenswert“? Und: Welche Herausforderungen ergeben sich in der primären Gesundheitsversorgung? In ihrem in JAMA Internal Medicine erschienenen Artikel „Using Artificial Intelligence to Improve Primary Care for Patients and Clinicians“ erörtern Urmimala Sarkar und David Bates, wie künstliche Intelligenz potenziell vorteilhaft für Aufgaben wie die Erledigung der eingehenden Post, die Erstellung von medizinischer Dokumentation, die Betreuung von Patient:innen zwischen den Untersuchungen und die Unterstützung bei der Diagnose und der Therapie eingesetzt werden kann.

„Während die Möglichkeit, durch die Anwendung von KI die Qualität und die Sicherheit der allgemeinen Gesundheitsversorgung und insbesondere der primären Gesundheitsversorgung zu verbessern seit mehr als zwanzig Jahren diskutiert wird, macht die technologische Entwicklung hin zu einer allgemeinen Verfügbarkeit von künstlicher Intelligenz klar, dass sich ihr Einsatz schon bald in jedem Moment auf die primäre Gesundheitsversorgung auswirken wird.“

„Wenn künstliche Intelligenz umfassend eingesetzt wird, um die Herausforderungen der primären Gesundheitsversorgung zu bewältigen, hat sie nicht nur das Potenzial, diese zu verbessern, sondern auch, sie zu verändern. Wird denken, dass künstliche Intelligenz die Hausärzt:innen bei ihrem täglichen Bemühen, eine gute Gesundheitsvorsorge zu gewährleisten, unterstützen kann.“

Manch einer fragt sich, ob der Einsatz von KI, vor allem, um auf die Nachrichten von Patient:innen zu antworten, den Arzt-Patienten-Kontakt weiter verkürzt. Dagegen wird durch die Automatisierung von gewissen Elementen der primären Gesundheitsversorgung Zeit gespart, die für so wichtige Aspekte wie den Aufbau der Beziehung und die Fürsorge eingesetzt werden kann, wie Urmimala Sarkar und David Bates bemerken. Die Implementierung der neuesten KI-Instrumente erfordert eine strenge Kontrolle ihrer Sicherheit und ihres Nutzens sowie eine ständigen Anpassung, die den Beitrag der Pflegeteams, der Patient:innen und der Familien einschließen. Außerdem, fügen Sarkar und Bates hinzu, bedarf die Implementierung von KI einer fundierten ethischen Betreuung, damit sich Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung nicht fortsetzen oder vertiefen.

Die heute bereitgestellte primäre Gesundheitsversorgung ist für die Patient:innen nicht optimal und für die Ärzt:innen nicht mehr praktikabel. Künstliche Intelligenz wird ihre Ergebnisse, ihre Effizienz und, so ist zu hoffen, die Bedingungen der ärztlichen Arbeit verbessern. KI-Lösungen haben ein großes Potenzial, aber nur, wenn sie sorgfältig entwickelt werden und die Anforderungen der betroffenen Ärzt:innen berücksichtigen.“

Im zugehörigen Editorial „The Perils of Artificial Intelligence in a Clinical Landscap“ von Isabel Ostrer und Louise Aronson finden sich weitere Denkanstöße zum Einsatz von KI in der Medizin und vor allem in der primären Gesundheitsversorgung.

Insbesondere, dass die Versprechungen der künstlichen Intelligenz zweifellos groß sind, KI jedoch gut in den klinischen Kontext integriert werden muss, damit die Arzt-Patienten-Beziehung nicht beeinträchtigt wird. In der Vergangenheit wurden große Anstrengungen unternommen, um neue Technologien in den medizinischen Bereich einzuführen, doch geschah dies häufig ohne die erforderliche Sorgfalt und Planung.

„Man kann dies auf verschiedenen Wegen erreichen. Einige Aspekte, die beachtet werden sollten, wenn KI für die primäre Versorgung entwickelt wird, sind: aus den Fehlern bei der Einführung der elektronischen Patientenakte lernen, die von der WHO bestimmten fünf Schlüsselelemente der primären Gesundheitsversorgung optimieren und mindestens so viele Ressourcen für nachgewiesene Verbesserungen aufwenden wie für nicht belegte Verbesserungen durch künstliche Intelligenz“, schließen die Autorinnen.

Quellen

Ostrer I, Aronson L. The perils of artificial intelligence in a clinical landscape. JAMA Intern Med 2024;184(4):351-352.
Sarkar U, Bates DW. Using artificial intelligence to improve primary care for patients and clinicians. JAMA Intern Med 2024;184(4):343-344.