Die Schlafqualität im Krankenhaus

Ein Krankenhausaufenthalt geht häufig mit Schlafmangel einher. Wenn die Patient:innen jedoch die Möglichkeit haben, aktiv zu werden, kann sich das laut einer neuen Studie positiv auf den Schlaf auswirken.

Eine randomisierte kontrollierte Studie ergab, dass Patient:innen, die im Rahmen eines I-SLEEP genannten Programms ein fünfminütiges Video ansahen, länger schliefen und eine geringere Wahrscheinlichkeit hatten, dass ihr Schlaf durch die Überwachung der Vitalfunktionen, die Medikamentengabe oder Untersuchungen unterbrochen wurde.

„Wir haben das medizinische Personal im Vorfeld intensiv geschult und Nudging in Bezug auf elektronische Patientenakten eingesetzt, um den Schlaf zu verbessern, und bei Patient:innen, die stabil sind, auf das nächtliche Monitoring und Laboruntersuchungen verzichtet“, erklärt Vineet Arora von der Universität Chicago.

„Das Programm I-SLEEP konzentriert sich auf die Patient:innen und regt sie an, Fragen zu stellen und über ihren Schlaf nachzudenken“, fährt Arora fort.

Die Patient:innen übernehmen die Verantwortung

Arora und ihre Kolleg:innen haben die Wirkung von I-SLEEP im Vergleich zu den üblichen Maßnahmen (Kontrolle) auf 175 Patient:innen der Allgemeinmedizin mit ähnlichen Eigenschaften untersucht (und dabei 439 Nächte mit Daten der Studie und 238 Nächte mit Aktigraphie zusammengetragen).

Die 80 Patient:innen der Kontrollgruppe und die 95 Patient:innen der I-SLEEP-Gruppe erhielten ein Schlaf-Kit mit Ohrenstöpseln, einer Schlafmaske und einer Broschüre der National Institutes of Health mit dem Titel „Tipps  für einen gesunden Schlaf“. Die I-SLEEP-Gruppe sah sich überdies ein fünfminütiges Video über die Bedeutung der Schlafqualität an, in dem die Patient:innen ermutigt wurden, sich für die Verbesserung ihres Schlafs einzusetzen.

In der I-SLEEP-Gruppe gab es weniger Unterbrechungen aufgrund von Monitoring (63 % vs. 74 %), Medikamentengabe (49 % vs. 60 %) und Untersuchungen (57 % vs. 69 %) als in der Kontrollgruppe. Die Schlafdauer war in den I-SLEEP-Nächten länger als in den Standardnächten (334 Minuten gegenüber 309 Minuten), allerdings war dieser Unterschied nicht statistisch signifikant (p=0,16).

„Die häufigsten Klagen der Patient:innen”

Eine weitere Studie hat die Notwendigkeit von Maßnahmen für die Verbesserung der Schlafqualität im Krankenhaus verdeutlicht. Anhand von 14 Fragen ermittelten die Forschenden die Schlafqualität, die Schlafmuster und die Verwendung von Hilfsmitteln von 90 erwachsenen Patient:innen (59 % Männer), die mindestens zwei Nächte in einer Abteilung für Allgemeinmedizin verbrachten und weder schwanger noch unzurechnungsfähig waren noch unter Enzephalopathie oder bekannten Schlafstörungen litten.

Die Forschenden stellten fest, dass sich die Schlafqualität während des Krankenhausaufenthalts signifikant verschlechterte: 64 %  der Patient:innen beklagten wenig oder sehr wenig Schlaf, gegenüber 30 %, die von einer geringen Schlafqualität zu Hause berichteten.

„Jeder Arzt und jede Ärztin, die Sie fragen, wird Ihnen sagen, dass die meisten Klagen ihrer Patient:innen die schlechte Schlafqualität im Krankenhaus betreffen“,  erklärt Erin Gould von der Jacobs School of Medicine and Biomedical Sciences. „Schlaf ist für alle Körperprozesse wichtig, einschließlich der Heilung, und es ist kontraproduktiv, den Schlaf unserer Patient:innen zu stören. Studien sind nötig, um die Schlafqualität und –dauer während des Krankenhausaufenthalts zu verbessern und so die Heilung zu unterstützen“, schließt Gould.

Die Studienergebnisse bestätigen die Hypothese der Forschenden, dass die Schlafqualität zu Hause besser ist als die im Krankenhaus: 70 % der Befragten gaben an, zu Hause gut oder sehr gut zu schlafen, während es im Krankenhaus nur 36 % waren. Überdies gaben 56 % der Patient:innen an, dass sie im Krankenhaus Schwierigkeiten hatten, einzuschlafen, und 69 % hatten Probleme durchzuschlafen.

In einer früheren Studie fanden Arora und Kolleg:innen heraus, dass weniger als die Hälfte (48 %) der besten Krankenhäuser Maßnahmen für guten Schlaf umsetzt. Waren Maßnahmen vorgesehen, handelte es sich zumeist um die Einschränkung des nächtlichen Monitorings, die Lichtreduktion in den Abteilungen, die Anpassung der Zeiten von Untersuchungen und Medikamentengabe und die Einführung von Ruhezeiten.

Quelle

I risultati sono stati presentati a SLEEP 2024: 38th Annual Meeting of the Associated Professional Sleep Societies.