Die Ergebnisse der OMAN-Studie bestätigen die potenziellen Vorteile der abendlichen Verabreichung von Antihypertensiva und liefern neue Nachweise, welche die zukünftige Forschung über die Chronotherapie von Hypertonie stützen.
Der Umgang mit dem nächtlichen Blutdruck ist in der klinischen Praxis nach wie vor eine Herausforderung, mit einer Prävalenz von unkontrollierter nächtlicher Hypertonie von 30 bis 60 % unter den behandelten Patient:innen. Da der nächtliche Blutdruck gegenüber den Tageswerten oder den Werten im 24-Stunden-Verlauf einen besonders sensiblen prognostischen Indikator für kardiovaskuläre Ereignisse darstellt, ist die Optimierung des Zeitpunkts der Gabe von Antihypertensiva ein wichtiges Forschungsfeld. Obwohl die antihypertensive Chronotherapie Potenzial in Bezug auf die Kontrolle des nächtlichen Blutdrucks und der Verbesserung des circadianen Rhythmus gezeigt hat, waren die klinischen Nachweise bis jetzt widersprüchlich.
In diesem Zusammenhang hat die randomisierte klinische Studie OMAN neue und wertvolle Erkenntnisse gebracht. Die von Juni 2022 bis April 2024 in fünfzehn chinesischen Krankenhäusern durchgeführte Studie bezog 720 Patient:innen ein, die in zwei Gruppen randomisiert wurden: Zwölf Wochen lang erhielten sie entweder morgens zwischen sechs und zehn Uhr oder am Abend zwischen achtzehn und zwanzig Uhr eine Kombination festgelegter Dosen von Olmesartan (20 mg) und Amlodipin (5 mg)
Die Resultate zeigten, dass die am Abend behandelte Gruppe gegenüber der am Morgen behandelten eine signifikant größere Senkung des nächtlichen systolischen Blutdrucks (Unterschied zwischen den Gruppen: -3,0 mmHg; P = 0,004) und des nächtlichen diastolischen Blutdrucks (Unterschied zwischen den Gruppen: -1,4 mmHg; P = 0,04) aufwies. Darüber hinaus war die abendliche Gabe mit einer besseren Kontrolle des nächtlichen systolischen Blutdrucks (79,0% vs. 69,8%; P = 0,01) und einer Verbesserung des circadianen Rhythmus verbunden. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Unterschiede nicht mit einem erhöhten Risiko von nächtlicher Hypotonie einhergingen. Die Ergebnisse in Bezug auf den systolischen und den diastolischen Blutdruck am Morgen waren im Einklang. Obwohl die Gabe am Abend eine bessere Kontrolle des nächtlichen Blutdrucks zeigte, wurden in den beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede bei der Wirkung auf den durchschnittlichen Blutdruck am Tag oder im 24-Stunden-Verlauf beobachtet. Darüber hinaus war in der Gruppe der Verabreichung am Abend die Dosistitration seltener nötig.
Für das Gesundheitspersonal sind die Implikationen der Studie bedeutsam, da sie darauf hinweisen, dass eine sorgfältige Abwägung des Zeitpunkts der Medikamentengabe die Kontrolle des nächtlichen Blutdrucks von Hypertonie-Patienten verbessern und so dazu beitragen könnte, das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse zu senken.
Quelle
Ye R et al. Morning vs bedtime dosing and nocturnal blood pressure reduction in patients with hypertension: the OMAN randomized clinical trial. JAMA Netw Open 2025;8(7):e2519354.9
