KI erkennt Frauen mit einem größeren Risiko für Herzkrankheiten anhand eines EKG

Forschende haben ein innovatives KI-Modell entwickelt, um Patientinnen mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten anhand eines EKG zu ermitteln. Die in Lancet Digital Health veröffentlichte Studie könnte zu einer früheren Diagnose und einer besseren Behandlung der gefährdeten Frauen beitragen.

Die von der British Heart Foundation finanzierte Studie wertete mehr als eine Million EKGs von 180 000 Patienten und Patientinnen aus, darunter 98 000 Frauen. Die Forschenden des Imperial College in London haben ein KI-geleitetes Instrument zur Risikobewertung entwickelt, das misst, wie weit der Verlauf des EKGs eines Menschen mit der typischen weiblichen oder männlichen Herztätigkeit übereinstimmt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Frauen, deren EKG einem eher „männlichen“ Muster entsprach, das sich durch ein stärkeres elektrisches Signal auszeichnet, größere Herzkammern, mehr Muskelmasse und ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten, Herzinsuffizienz und Infarkte hatten.

Es wurde immer davon ausgegangen, dass Männer aufgrund hormoneller Unterschiede und von Lebensstil-Faktoren ein größeres Risiko für  Herzkrankheiten haben, was zu einer Unterbewertung des Risikos von Frauen geführt hat. Die Folge war eine Tendenz zu falschen Diagnosen und eine suboptimale Behandlung, dabei haben Frauen in Großbritannien eine doppelt so hohe die Wahrscheinlichkeit, an koronarer Herzkrankheit zu sterben – der wichtigsten Ursache für einen Infarkt – wie an Brustkrebs.

Arunashis Sau vom National Heart and Lung Institute des Imperial College di Londra unterstreicht die Bedeutung der Studie: „Unsere Arbeit hat gezeigt, dass kardiovaskuläre Krankheiten bei Frauen sehr viel komplexer sind, als man in der Vergangenheit angenommen hat. Die Ki-unterstützten EKGs erlauben ein differenzierteres Verständnis der Gesundheit des weiblichen Herzens und könnten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Ergebnisse für Frauen mit einem Risiko für Herzkrankheiten zu verbessern.

Das als AIRE bekannte KI-EKG-Modell wird ab Ende 2025 im öffentlichen Gesundheitssystem klinischen Tests unterzogen. Die Evaluierung, die in den Kliniken des Imperial College Healthcare NHS Trust und des Chelsea and Westminster Hospital NHS Foundation Trust durchgeführt wird, bewertet die Leistung bei der Patientenbetreuung in der realen Welt.

Die Studie wurde darüber hinaus vom Zentrum für biomedizinische Forschung NIHR Imperial unterstützt, dem seit 2022 ca. 95 Millionen Pfund zur Verfügung stehen, um experimentelle Behandlungen und Diagnosen weiterzuentwickeln. Mit KI-geleiteten Instrumenten wie AIRE am Horizont wächst die Hoffnung, dass die Ärzteschaft besser ausgestattet sein wird, um Herzkrankheiten bei Frauen zu diagnostizieren und zu behandeln und so Leben zu retten.

Quelle

Arunashis S et al.Artificial intelligence-enhancedelectrocardiography for the identification of a sex-relatedcardiovascular risk continuum: a retrospectivecohort study. The Lancet Digital Health 2025;7(3):e184 – e194.