Nudging und Blutdruckkontrolle

Eine randomisierte klinische Studie, die in in JAMA Network Open erschienen ist, hat untersucht, wie sich ein Opt-out-Ansatz auf die Teilnahme von Menschen an einem Programm auswirkt, bei dem der Blutdruck per Telemonitoring gemessen wird. Die von Shivan J. Mehta und seinem Team durchgeführte Studie verglich eine „Opt-out-Gruppe“, der ein Blutdruckmessgerät nach Hause geschickt wurde, mit einer „Opt-in-Gruppe“, die ihre Zustimmung geben musste, bevor sie das Gerät erhielt.

Ziel der Studie war es festzustellen, ob das Zusenden des Geräts – unter Nutzung des Endowment-Effekts (das heißt, der Tendenz, ein Gut für wertvoller zu erachten, wenn man es besitzt) – dafür sorgen würde, dass mehr Menschen an dem Programm teilnahmen.

Die Forschenden rekrutierten in Philadelphia 424 Patient:innen mit Bluthochdruck und teilten sie in drei Gruppen ein: eine „Opt-in-Gruppe“ (171 Personen), eine „Opt-out-Gruppe“ (168 Personen) und eine Kontrollgruppen (85 Personen). Die Interventionsgruppen erhielten wöchentliche Textnachrichten mit der Aufforderung, ihre Blutdruckwerte zu registrieren, und wurden von einer Gesundheitsfachkraft oder einer Bezugsperson, z.B. einem Familienmitglied oder einem Freund, unterstützt.

Anders als erwartet führte der Opt-out-Ansatz nicht zu einem signifikanten Anstieg der Teilnahme. In der Opt-in-Gruppe stimmten 33,9 % der Patient:innen der Teilnahme zu, gegenüber 37,5 % in der Opt-out-Gruppe. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Auch die aktive Beteiligung der Patient:innen (d.h. die Übermittelung von mindestens 50 % der angeforderten Messungen) war in beiden Gruppen fast gleich, und zwar 51,7 % gegenüber 52,4 %.

Jedoch gab es ein Resultat, das klinisch bedeutend ist: In den beiden Interventionsgruppen (Opt-in und Opt-out) verbesserte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe die Überwachung des Blutdrucks. 38,1 % der Patient:innen der Opt-out-Gruppe und 32,2 % der Patient:innen der Opt-in-Gruppe erreichten ein gutes Ergebnis bei der Blutdruckkontrolle, gegenüber 21,2 % der Kontrollgruppe, die nur die übliche Gesundheitsversorgung erhielt. Der Unterschied zwischen der Opt-out-Gruppe und der Kontrollgruppe war statistisch signifikant, was nahelegt, dass Blutdruck-Telemonitoring von Nutzen ist.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Opt-out-Strategie allein wohl nicht ausreicht, um die Beteiligung an Programmen dieser Art von Telemedizin zu verbessern. Laut den Studienautor:innen könnte das daran liegen, dass die Teilnahme, im Gegensatz zu früheren Studien, nicht gänzlich opt-out war, da die Patient:innen zuvor ihre telefonische Zustimmung geben mussten.

Jedoch bestätigt die Studie das Potenzial des Telemonitorings bei der Verbesserung der Blutdruckkontrolle. Nach Ansicht der Forschenden ist der Erfolg des Programms wahrscheinlich auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, darunter eine strukturierte Betreuung (durch Fachkräfte und spezialisiertes Gesundheitspersonal, die die Arzneimitteldosierung anpassen können) und die Integration von Verhaltensmaßnahmen wie die soziale Unterstützung und das kontinuierliche Feedback der Patient:innen.

Quelle

Mehta SJ et al. Behavioral economic framing for enrollment and retention of patients in remote blood pressure monitoring: a randomized clinical trial. JAMA Netw Open 2025;8(9):e2529825.