Der italienische Senat hat ein Gesetz (A.C. 741) verabschiedet, mit dem Adipositas offiziell als „chronische, progressive und rezidivierende Erkrankung“ anerkannt wird.
Damit ist Italien das erste Land weltweit mit einem entsprechenden Gesetz, das der Gesundheitsminister Orazio Schillaci als „zivilisatorischen Akt“ bezeichnet, mit dem Stigmatisierung und Diskriminierung bekämpft werden sollen.
Ein zentraler Punkt ist, dass die Therapie von fettleibigen Menschen in die Wesentlichen Betreuungsstandards (LEA – Livelli Essenziali di Assistenza) aufgenommen wird, womit das Recht auf fachärztliche Behandlung einhergeht. Dazu gehört der Zugang zu multidisziplinärer, kostenfreier Therapie wie Ernährungsberatung, psychologische Betreuung und bariatrische Chirurgie.
Das Gesetz ist eine Antwort auf ein Problem von nationaler Tragweite. In Italien ist fast die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig (45.1%). Besorgniserregend ist vor allem Übergewicht im Kindesalter: Fast ein Drittel der Kinder im Alter von 8-9 Jahren (28.8 %) ist übergewichtig oder fettleibig. Eine der wichtigsten Maßnahmen stellt die Primärprävention dar, mit einem Fokus auf Schulen und Informationen zu einem gesunden Lebensstil. Vorgesehen sind unter anderem die Förderung des Stillens, das als präventiv in Bezug auf kindliches Übergewicht anerkannt ist.
Für die Umsetzung sind ab dem Jahr 2025 jährlich 500 000 Euro für die Weiterbildung von Hausärzt:innen und Informationskampagnen vorgesehen. Das Osservatorio per lo Studio dell’Obesità (OSO) kümmert sich um die wissenschaftliche Begleitung und legt dem Parlament jährliche Berichte vor.
