In den neuen, wichtigen Leitlinien für die klinische Praxis, die in PTJ erschienen sind, wenden sich die Spezialisten der langfristigen Behandlung von Patient:innen mit diabetischem Fußsyndrom zu und konzentrieren sich auf die Fitness und die allmähliche Wiederaufnahme von Aktivitäten nach der Genesung. Die von der American Physical Therapy Association (APTA) entwickelten Leitlinien beschäftigen sich insbesondere damit, was den aktuellen klinischen Empfehlungen fehlt, in denen bis jetzt nicht deutlich gemacht wurde, wie die körperliche Verfassung und die Mobilität bewertet werden, und vor allem wie mit der „Belastung“ des Fußes umgegangen werden soll, um Rezidive zu vermeiden.
Diabetes ist eine verbreitete Krankheit mit hohem Risiko für Komplikationen, darunter Fußulzera, die bis zu 34 % der Menschen mit Diabetes im Laufe ihres Lebens entwickeln. Das eigentliche Problem ist die hohe Rezidivrate: Nach der Abheilung einer Ulzera ist das Risiko in den ersten Monaten am höchsten: 40 % der Wunden kehren innerhalb eines Jahres zurück, fast 60 % innerhalb von drei Jahren. Vor diesem Hintergrund führt das diabetische Fußsyndrom häufig zu Amputationen der unteren Gliedmaßen, welche die zweithäufigste Diagnose bei Krankenhauseinweisungen für Menschen mit Diabetes sind.
Die neuen Leitlinien sehen vor, dass körperliche Aktivität und Fitness für Erwachsene mit Diabetes, mit oder ohne Fußulzera, berücksichtigt und gemessen werden müssen. Sport und körperliche Betätigung sollen verschrieben werden, unter Berücksichtigung der individuellen körperlichen Antwort und der Vorlieben der Patient:innen, um die Lebensqualität langfristig zu verbessern und die Gesundheitskosten zu senken.
Die wichtigste Neuigkeit ist das Protokoll für die Zeit nach der Heilung, mit dem Ziel, Rezidiven vorzubeugen. Das medizinische Personal, das sich um eine abgeheilte diabetische Fußulzera kümmert, kann nun schrittweise mit der Belastung des Gewebes (zum Beispiel stehen oder gehen) des soeben geheilten Fußes beginnen. Dieser Ansatz erfordert, dass in den ersten drei Monaten nach der Abheilung der Ulzera eine moderate bis maximale Druckentlastung (Offloading) beibehalten wird. Die Rückkehr zu normalem Schuhwerk muss allmählich erfolgen, nach einem sorgfältig abgewogenem Programm.
Die Leitlinien geben zudem Empfehlungen für Betroffene mit offenen Wunden: Die Behandelnden können Maßnahmen mit geringer Belastung zugunsten der kardiovaskulären Gesundheit und der Muskelmasse verordnen, während gleichzeitig der Fuß so weit wie möglich entlastet wird. insgesamt betonen die Leitlinien, dass die Behandlung von Diabetes-Patienten weit über die alleinige Behandlung der Wunde hinausgeht und einen holistischen Ansatz verlangt, mit einem Fokus auf die Mobilität, die körperliche Verfassung und die sichere Wiederaufnahme von Aktivitäten.
Quelle
Wendland DM et al. Diabetic Foot ulcer beyond wound closure: clinical practice Guideline. Phys Ther 2025;105(1):pzae171.
