Persistierender Ductus arteriosus: Es fehlen wissenschaftliche Nachweise

Ibuprofen kann bei Frühgeborenen dem persistierenden Ductus arteriosus Botalli (PDA) vorbeugen, hat aber keine weiteren kurz- oder langfristige Vorteile. Zu diesem Ergebnis kommt ein jüngst erschienener Cochrane-Review.

Gemäß der Studie setzt die präventive Therapie eine große Anzahl von Neugeborenen unnötigerweise einem Medikament aus, das beträchtliche Nebenwirkungen, aber hinsichtlich der Ergebnisse keinen bedeutenden kurzfristigen Nutzen hat. „Die aktuellen Nachweise sprechen nicht für die Anwendung von Ibuprofen für die Prävention von PDA. Ein neuer Ansatz für die Behandlung von PDA besteht in einer gezielten frühzeitigen Therapie, die auf echokardiographischen Kriterien oder kardialer Bildgebung in den ersten 72 Stunden nach der Geburt beruht; dadurch kann ein PDA, der sich wahrscheinlich nicht spontan schließen wird, mit hoher Sicherheit diagnostiziert werden“, schreiben die AutorInnen.

Der persistierende Ductus arteriosus ist eine Komplikation, die bei Neugeborenen häufiger vorkommt. Beim Ductus arteriosus handelt es sich um eine Verbindung zwischen der Aorta und der Lungenarterie. Eigentlich schließt sie sich nach der Geburt, aber in einigen Fällen bleibt sie offen, insbesondere bei Frühgeborenen, was mit Komplikationen einhergeht, die letal sein können. Das Arzneimittel Indometacin ist wirksam bei der Behandlung von PDA, aber auch mit starken unerwünschten Wirkungen verbunden. Eine weitere Option ist Ibuprofen, das zur Prävention von PDA  eingesetzt werden kann.

Die von Arne Ohlsson (Universität Toronto, Kanada) geleitete Studie sollte feststellen, ob das präventiv eingesetzte Ibuprofen gegenüber dem Placebo, „keiner Maßnahme“ oder Indometacin wirksam und sicher für die Prävention von PDA bei Frühgeborenen ist. Es wurden neun Studien mit insgesamt 1070 Kindern untersucht. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Ibuprofen (IV oder oral) wahrscheinlich das PDA-Risiko an Tag 3 oder 4 reduziert. In der Kontrollgruppe kam es bei 58 % innerhalb der ersten 3-4 Tage nach der Geburt zum Spontanverschluss. Darüber hinaus wird durch Ibuprofen wahrscheinlich die Notwendigkeit einer Behandlung mit Cyclooxygenese-Inhibitoren und einer chirurgischen Reparatur vermindert.

Qualitativ hochwertige Nachweise zeigten ein erhöhtes Risiko von Oligurie, während die aus vier Studien hervorgehenden Ergebnisse geringer Evidenz zeigten, dass die orale Verabreichung von Ibuprofen das PDA-Risiko verringern kann, gleichzeitig aber das Risiko gastrointestinaler Blutungen erhöht. Bezüglich Mortalität, intraventrikulären Blutungen (IVH) oder chronischer Lungenkrankheit liegt keine Evidenz zu Unterschieden vor. „Es ist nicht empfehlenswert, weitere Studien über Ibuprofen zur Prävention durchzuführen bis die Ergebnisse der langfristigen Nachbeobachtung der in diese Übersichtsarbeit aufgenommenen Studien veröffentlicht werden“, schließen die AutorInnen mit aller Deutlichkeit.

Quella

Ohlsson A et al. Ibuprofen for the prevention of patent ductus arteriosus in preterm and/or low birth weight infants. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 1. Art. No.: CD004213. DOI: 10.1002/14651858.CD004213.pub5