PubMed mit gedrosselter Leistung: Der Shutdown macht sich bemerkbar

Nachdem in den Vereinigten Staaten die Einigung auf einen gemeinsamen Haushalt gescheitert ist, haben ab dem 1. Oktober einige für die internationale Wissenschaftsgemeinschaft maßgebliche Portale – darunter eine der wichtigsten biomedizinischen Datenbanken – den Nutzer:innen mitgeteilt, dass ihr Service Einschränkungen unterliegen könnte. Ein auf PubMed (der wichtigsten Quelle für medizinische und biomedizinische Literatur) erschienener Hinweis kündigt an, dass die verfügbaren Informationen möglicherweise nicht aktualisiert und einige Anfragen nicht beantwortet werden, bis die Haushaltsmittel bewilligt werden.

Zwar ist die automatisierte Suche in den schon vorhandenen Inhalten noch zugänglich und die registrierten Zeitschriften werden weiterhin durch automatisierte Prozeduren in das System eingegeben, jedoch wurde eine Reihe von wichtigen Aktivitäten ausgesetzt. Darunter die Bewertung neuer Zeitschriften vor ihrer Aufnahme in die Hauptdatenbank. Dieser Prozess setzt menschliche Arbeit voraus und wurde blockiert, weil ca. 80 % des Personals einer der größten Organisationen für biomedizinische Forschung der USA mit mehr als 20 000 Angestellten  vorübergehend beurlaubt ist.

Die Folgen des Shutdowns treffen auf eine Situation, die alles andere als idyllisch ist. Schon vor der Haushaltssperre waren Maßnahmen ergriffen worden, welche die verlegerische Kontrollstruktur der Plattform untergraben. Die amerikanische Regierung hat das unabhängige Komitee abgeschafft, das die Aufgabe hatte, die wissenschaftliche Qualität der Publikationen zu bewerten und die Datenbank vor unseriösen Inhalten oder Raubjournalen zu schützen. An seiner Stelle wurde ein neues System eingeführt, dessen Effizienz bei den Forschenden auf große Zweifel stößt.

Die wachsende Ungewissheit bezüglich der Handhabung und der Stabilität dieser Infrastruktur hat einige europäische Einrichtungen dazu angeregt, offene und unabhängige Alternativen zu entwickeln, mit dem Ziel, die weltweite Abhängigkeit von einer einzigen Quelle für den Zugang zur internationalen Wissenschaftsliteratur zu reduzieren.