Schulter-MRT: Anomalien sind nicht krankhaft, sondern normal

Eine in JAMA Internal Medicine erschienene finnische Studie stellt den klinischen Nutzen von MRT-Untersuchungen für die Diagnose von gewöhnlichen Schmerzen der Schulter ernsthaft in Frage. An der FIMAGE-Studie nahmen mehr als 600 Erwachsene im Alter zwischen 41 und 76 Jahren teil, die klinischen Untersuchungen und beidseitigen 3-Tesla-MRTs unterzogen wurden. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Fast 99 % der Teilnehmenden wies zumindest eine Anomalie an der Rotatorenmanschette auf, unabhängig davon, ob sie Scherzen hatten oder nicht.

Die Studie wurde in einem Kontext durchgeführt, in dem die Medizin immer mehr von bildgebenden Verfahren abhängt, während MRT-Untersuchungen für die anfängliche Einschätzung von Schulterschmerzen inzwischen Routine sind. Jedoch stellten die Forschenden bei 96 % der asymptomatischen Schultern Anomalien wie Tendinopathien oder teilweise und vollständige Risse fest. Insbesondere Vollschicht-Risse, die oft als schwerwiegend gelten und für die eine Operation empfohlen wird, waren auch bei denen verbreitet, die nicht über Schmerzen klagten.

Laut der Autor:innen der Studie zeigen diese Daten, dass es sich bei den meisten Ergebnissen von MRT-Untersuchungen von über 40-Jährigen nicht um Pathologien handelt, sondern um normale altersassoziierte Strukturveränderungen, vergleichbar mit Falten oder grauen Haaren. Sobald die Daten in Bezug auf Faktoren wie Alter und Ergebnisse der körperlichen Tests adjustiert wurden, verschwanden die Unterschiede zwischen denen, die Beschwerden hatten und jenen, die keine Schmerzen aufwiesen, fast völlig.

Die Implikationen für die Patient:inneen und die Gesundheitssysteme sind bedeutend: Wenn sich Diagnose und Behandlung ausschließlich auf MRT-Befunde stützen, besteht die Gefahr von Überdiagnosen und überflüssigen medizinischen oder chirurgischen Maßnahmen. Deswegen empfehlen die Expert:innen, sich weniger auf bildgebende Verfahren und mehr auf sorgfältige klinische Bewertungen zu konzentrieren, für die Beschreibung dieser natürlichen Veränderungen besorgniserregende Ausdrücke wie ,„Riss“ oder „Läsion“ zu vermeiden, um die Patient:innen nicht zu verunsichern, und einen angemesseneren, konservativen therapeutischen Ansatz zu bevorzugen.

Quelle

Ibounig T et al. Incidental rotator cuff abnormalities on magnetic resonance imaging. JAMA Intern Med. Published online February 16, 2026. doi:10.1001/jamainternmed.2025.7903