Schlaf, Adipositas und kognitive Fähigkeiten bei Jugendlichen

Eine in JAMA Neurology veröffentlichte Studie hat den Zusammenhang zwischen Schlafdauer, kognitiven Funktionen und Adipositas bei Jugendlichen beleuchtet und gezeigt, dass bei übergewichtigen und adipösen Jugendliche bei Schlafmangel stärkere kognitive Einschränkungen auftreten als bei Gleichaltrigen mit „gesundem“ Gewicht.

Die wichtigsten Ergebnisse
Die Studie ergab, dass Jugendlichen mit einem höheren Körperfettanteil, der anhand des Gesamtkörperfetts (TBF) und nicht nur anhand des BMI gemessen wurde, nach einer Nacht mit wenig Schlaf eher kognitive Schwierigkeiten aufweisen. Genauer gesagt war bei den übergewichtigen oder adipösen Jugendlichen eine signifikante Verschlechterung der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten, der kognitiven Flexibilität, der fluiden Intelligenz und der Aufmerksamkeit feststellbar, wenn sie nur vier Stunden geschlafen hatten. Dagegen zeigten normalgewichtige Gleichaltrige bei der gleichen Schlafdauer keine signifikanten kognitiven Veränderungen.

Methodologie der Studie
An der Studie nahmen gesunde Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren teil, die weder unter Schlaf- oder Essstörungen noch geistigen Einschränkungen litten. Die Teilnehmenden wurden drei Laboruntersuchungen unterzogen, bei denen Fragebögen ausgefüllt und die anfänglichen Messungen vorgenommen wurden. Danach wurden sie verschiedenen Schlafbedingungen ausgesetzt: In einer Nacht schliefen sie nur eine begrenzte Zeit (vier Stunden), in einer anderen dagegen genügend (neun Stunden), während der Schlafrhythmus per Aktigraphie überwacht wurde.

Implikationen der Adipositas-Messung
Die Studie bezog den TBF zur Messung von Adipositas ein, da der BMI nicht zwischen Muskeln und Fett unterscheidet. Es stellte sich heraus, dass ein höherer Körperfettanteil, wenn das Schlafmaß gering war, mit einer geringeren Leistung bei der kognitiven Flexibilität, der fluiden Intelligenz und der Schnelligkeit der Verarbeitung einherging. Im Übrigen empfiehlt die Studie zu erwägen, ob die derzeitigen pädiatrischen Cut-off-Werte für die Definition von Übergewicht und Adipositas einer Überarbeitung bedürfen, da das Risiko kognitiver Einschränkungen wegen Schlafmangels nur bei adipösen Jugendlichen signifikant war.

Schlussfolgerungen
Aus der Studie geht hervor, wie wichtig ausreichender Schlaf für die Bewahrung der kognitiven Gesundheit ist, insbesondere bei übergewichtigen und adipösen Jugendlichen. Während ausreichend Schlaf die Unterschiede zwischen den Gewichtsgruppen verringerte, hatte Schlafmangel eine unverhältnismäßig negative Wirkung auf die besonders adipösen Individuen.

Quelle

Stager LM, Watson CS, Cook EW, Fobian AD. Effect of sleep restriction on adolescent cognition by adiposity: a randomized crossover trial. JAMA Neurol. Published online May 20, 2024. doi:10.1001/jamaneurol.2024.1332