Sympomatische Blasenentzündung und Antibiotika

Mehr als die Hälfte aller Frauen erlebt im Laufe ihres Lebens eine komplikationsfreie Harnwegsinfektion, ca. 20 % leidet unter wiederkehrenden Infekten. Obgleich Harnwegsinfekte meist selbstlimitierend sind, wird den meisten Patientinnen ein Antibiotikum verschrieben, wenn sie sich an einen Arzt wenden, da auf diesem Weg die Symptome rascher abklingen. Diese Infekte sind sogar die zweitwichtigste Ursache von Antibiotikaverschreibungen in allgemeinärztlichen Praxen. Da die Antibiotikaresistenz zunimmt, muss der Einsatz von Antibiotika vermindert werden und Behandlungsalternativen spielen im Rahmen der Arzneimittelausgaben und der öffentlichen Gesundheit eine immer wichtigere Rolle.   
2010 hat eine kleine randomisierte deutsche Studie gezeigt, dass zwei Drittel der Frauen, die anfänglich mit Ibuprofen (einem nichtsteroidalen Entzündungshemmer, der anstelle von Antibiotika verschrieben wird) behandelt wurden, sich wieder erholten, ohne auf Antibiotika zurückgreifen zu müssen.
 
Die Studie
Die skandinavische randomisierte Doppelblindstudie mit Parallelgruppen wollte feststellen, ob die Behandlung mit Ibuprofen bei Frauen mit komplikationslosen Harnwegsinfekten eine sichere und wirksame Alternative zu Antibiotika darstellen kann.
Eine Gruppe von 383 symptomatischen Frauen wurde randomisiert und erhielt drei Tage lang Ibuprofen oder Pivmecillinam (ein Antibiotikum, das in Skandinavien gewöhnlich für die Behandlung von Infektionen der Harnwege eingesetzt wird).
 
Die Ergebnisse
In der mit Ibuprofen behandelten Gruppe kehrten 46 % der Patientinnen nach 4 Wochen zum Arzt zurück, weil die Symptome fortbestanden, sich verschlimmert hatten oder erneut aufgetreten waren; dagegen suchten nur 10 % der Patientinnen aus der mit Pivmecillinam behandelten Gruppe erneut den Arzt auf.
Mehr als die Hälfte der anfangs mit Ibuprofen behandelten Patientinnen wurde gesund, ohne Antibiotika einnehmen zu müssen. Betrachtet man nur die Patientinnen, die später keine Antibiotika brauchten, hatten die mit Ibuprofen behandelten Frauen im Durchschnitt vier Tage lang Symptome, einen Tag länger als die Patientinnen, die von Anfang an mit Antibiotika behandelt wurden.
Zusammengefasst ist zu sagen, dass sich Ibuprofen allein nicht für die Behandlung der Symptome empfiehlt, solange man nicht in der Lage ist, festzustellen, welche Patientinnen eine Antibiotikatherapie brauchen, um Komplikationen zu vermeiden. Folglich eignen sich Antibiotika am besten für die Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfekten.