Ein großer systematischer Review, der im British Medical Journal (BMJ) erschienen ist und 262 klinische Studien mit fast 100 000 Teilnehmer:innen ausgewertet hat, lädt die Ärzteschaft ein, die neuen Medikamente zur Gewichtsreduktion einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Zwar ist inzwischen gut belegt, dass sie beim Abnehmen helfen, jedoch zeigt der Review, dass die meisten dieser Therapien zwölf Monate nach Beginn der Behandlung keine klinisch signifikanten Verbesserungen der Lebensqualität (QoL) hervorbringen. Diese Diskrepanz zwischen der Gewichtsreduktion und dem subjektiven Wohlbefinden ist eng mit dem Auftreten von dauerhaften gastrointestinalen Nebenwirkungen sowie einem besorgniserregenden Verlust von Muskelmasse (6-8 %) verbunden, welcher insbesondere bei älteren Patient:innen oder solchen mit Sarkopenie-Risiko problematisch ist.
Außerdem zeigen die Daten, dass der gesundheitliche Nutzen beschränkt ist. Lediglich bei subkutan verabreichtem Semaglutid ließ sich eine statistisch signifikante Reduktion der Mortalität aufgrund aller Ursachen, von Myokardinfarkt und Niereninsuffizienz feststellen, während Tirzepatid da Risiko für mit Herzinsuffizienz verbundene Komplikationen halbiert. Dagegen fehlen für zahlreiche andere Medikamente noch robuste Nachweise hinsichtlich der langfristigen kardiovaskulären und renalen Schutzwirkung. Dem Gesundheitspersonal verdeutlicht die Review, wie wichtig es ist, über die alleinige Bestimmung des Gewichts hinauszugehen und eine genaue Bewertung der körperlichen Beschaffenheit und des vom Patienten geschilderten Outcomes in die klinische Praxis zu integrieren, um eine individuell abgestimmte Therapie zu gewährleisten.
Quelle
Nong K et al. Comparative effects of drugs for adults with overweight or obesity: systematic review and network meta-analysis. BMJ 2026; 394 :e372161
