Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie hat überzeugende Nachweise dafür erbracht, dass die bakterielle Vaginose, die fast eine Drittel der Frauen weltweit betrifft, sexuell übertragbar ist. Dieses Ergebnis stellt die traditionellen Behandlungsprotokolle in Frage und belegt die Notwendigkeit einer Strategie, bei der beide Geschlechter behandelt werden.
Die von Lenka A. Vodstrcil vom Melbourne Sexual Health Centre der Monash University in Australien geleitete Studie hat gezeigt, dass die Behandlung der betroffenen Frauen und ihrer männlichen Partner die Heilungsrate von bakterieller Vaginose signifikant erhöht hat. Die offen randomisierte Studie bezog 164 monogame heterosexuelle Paare ein, in denen die Frauen eine bakterielle Vaginose hatten. Während die Frauen in beiden Gruppen Standard-Antibiotika erhielten, wurden nur in einer Gruppe auch ihre männlichen Partnern behandelt und Metronidazol oral und Clindamicyn topisch verabreicht. Die Rückfallquote in der Gruppe, in der auch der Partner behandelt wurde, betrug 35 %, während es in der Kontrollgruppe 63 % waren. Dieser deutliche Unterschied bewog die Forschenden, die Studie vorzeitig abzubrechen, da die Behandlung beider Partner deutlich überlegen war.
Catriona S. Bradshaw, Ko-Autorin der Studie bezeichnet die Ergebnisse als „wichtigen Wendepunkt für die Behandlung von BV, der einen wirksamen und kostengünstigen Ansatz bietet, mit dem die Zahl der Rezidive signifikant verringert und präventive Strategien möglich werden könnten.“
Trotz dieser vielsprechenden Ergebnisse verweisen einige Experten und Expertinnen auf die Notwendigkeit weiterer Studien zu den Übertragungswegen von bakterieller Vaginose. Mykhaylo Usyk vom Albert Einstein College of Medicine hebt insbesondere hervor, dass festgestellt werden sollte, welche Unterarten sexuell übertragen werden, da die Situation komplexer sein könnte als bei einer typischen sexuell übertragenen Infektion.
Rebecca Brotman von der University of Maryland School of Medicine verweist hingegen darauf, dass Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Duschgewohnheiten und der Gebrauch von Gleitmitteln zur Entwicklung einer bakteriellen Vaginose beitragen können. Darüber hinaus könnten auch Faktoren wie Beschneidung und die Anwendung von Intrauterinpessaren (IUD) unter den Teilnehmenden die Ergebnisse beeinflusst haben. „Die Studie hat bedeutende Ergebnisse erbracht“, erklärt die Autorin, „aber sie müssen in unterschiedlichen Populationen überprüft werden.“
Die Expert:innen sind sich einig, dass die Studienergebnisse zu einem neuen Behandlungsansatz für die Krankheit führen sollten. Laut Caroline M. Mitchell vom Massachusetts General Hospital unterscheidet sich der Zusammenhang von Vaginose und sexueller Aktivität zwar von Individuum zu Individuum, in vielen Fällen ist die sexuelle Übertragung jedoch offensichtlich. „Bei Frauen, die immer wieder mit diesem Problem zu tun haben, könnte die Behandlung des Partners der Schlüssel für die Unterbrechung dieses Kreislaufs sein“, erklärt sie.
Die Behandlungsprotokolle für bakterielle Vaginose sind seit 1982 im Wesentlichen gleich geblieben. In dieser Hinsicht stellt die Studie zweifellos einen signifikanten Fortschritt dar. Auch wenn noch weitere Studien nötig sind, um die Leitlinien für die Behandlung auszuarbeiten, sprechen die Studienergebnisse zweifellos für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit der bakteriellen Vaginose, die in der Verantwortung beider Partner liegt, mit dem Ziel wirksamerer Behandlungen, einer Reduktion der Rezidivrate und einer Verbesserung der reproduktiven Gesundheit von Millionen Frauen in der ganzen Welt.
Quelle
Muzny Ca, Sobel JD. Bacterial vaginosis — time to treat male partners. New England Journal of Medicine 2025;392(10):1026-1027.
