Onkologische Studien: Sollten die Kriterien für die Teilnahme erweitert werden?

Eine in Clinical Cancer Research veröffentlichte Studie zeigt den potenziellen Nutzen einer Erweiterung der Zugangskriterien für die Teilnahme an klinischen Studien.

„Es ist bekannt, dass die Ergebnisse einer  ‘idealen‛ Studienpopulation nicht immer auf die Population in der realen Welt übertragbar sind“, erklärt der Studienautor Hans Gelderblom vom Leiden University Medical Center in den Niederlanden. „Oft sind die Kriterien für die Teilnahme zu streng und wenn erfahrene Wissenschaftler Ausnahmen zulassen, kann das einzelnen Patient:innen helfen, vor allem bei einer Studie in einer fortgeschrittenen Phase.“

Im Drug Rediscovery Protocol (DRUP) untersuchten die Forschenden, wie sich die Erweiterung der Einschlusskriterien auf die Ergebnisse für die Patient:innen auswirkt. Bei DRUP handelt es sich um eine laufende, multizentrische, panonkologische und nicht-randomisierte klinische Studie aus den Niederlanden, in der die Patient:innen off-label mit zugelassenen molekularen Therapien und Immuntherapien behandelt werden.

In der Studie wurden 1019 therapieresistente Patient:innen nach ihrem molekularen Tumorprofil einem der in der Forschungsarbeit verwendeten Medikamenten zugeordnet und in parallele Kohorten eingeteilt. Die Kohorten wurden ausgehend von der Tumorart, dem molekularen Profil und dem Medikament definiert.

82 der Patient:innen (8 % der Kohorte) nahmen aufgrund einer Ausnahmeregelung teil. Die meisten Ausnahmen (45 %) betrafen die allgemeinen Teilnahmekriterien oder die Medikamente, in vielen Fällen aufgrund von Laborwerten außerhalb des Referenzbereichs.

Die Forschenden verglichen daraufhin die Ergebnisse in Bezug auf Sicherheit und Wirksamkeit bei den 82 Teilnehmenden aufgrund der Ausnahmeregelung und den übrigen 937 Teilnehmenden.

Das Team um Gelderblum stellte fest, dass der Anteil von schweren Nebenwirkungen bei denjenigen, die als Ausnahme teilgenommen hatten, und den übrigen Teilnehmenden ähnlich war: 39 %, bzw. 41 %.

Auch der klinische Nutzen, das heißt, eine objektive Therapieantwort oder eine über mindestens 16 Wochen stabile Erkrankung, war in beiden Gruppen ähnlich. Insgesamt hatten 40 % der Patient:innen (33 von 82), die ausnahmsweise zugelassen wurden, einen klinischen Nutzen, gegenüber 33 % der übrigen Teilnehmer (P = 43). Auch die mediane Überlebenszeit war ähnlich.

„Diese Ergebnisse sprechen für eine breiteres und inklusiveres Modell bei der Durchführung neuer klinischer Studien, um den Weg für eine wirksame und individuelle Anwendung von Krebstherapien bei Patient:innen mit fortgeschrittener Erkrankung oder Therapieresistenz freizumachen“, stellt Gelderblum fest.

In einem Kommentar zu der Studie erklärt Bishal Gyawali von der Queen’s University in Kingston, Ontario, Kanada: „Es ist wichtig, die Einschlusskriterien zu erweitern. Ich unterstütze diese These. Klinische Studien sollten Patient:innen einschließen, die repräsentativ für die reale Welt sind, so dass die Ergebnisse auf die Allgemeinheit übertragen werden können.“  Allerdings fährt er fort: „Das Dokument betont jedoch die Wirksamkeit zu sehr.“ Die Anzahl der Teilnehmenden sei nicht sehr hoch und überdies sei der Anteil des klinischen Nutzens kein Hinweis auf die Wirksamkeit. „Der Anteil der Therapieantwort ist etwas besser, aber bei einer heterogenen Studie mit verschiedenen Zielgruppen und Medikamenten ist es schwierig, Aussagen über die Wirksamkeit der Behandlung zu treffen“,  fügt er hinzu.

Quelle

https://clinicaltrials.gov/study/NCT02925234