Eine in Cancer Research Communications erschienene Studie, für die Daten aus dem SEER- Programm (2015-2022) analysiert wurden, zeigt, dass der Familienstand eine bisher unterschätzte soziale Determinante für das Krebsrisiko ist. Während schon bekannt war, dass die Ehe mit frühzeitigeren Diagnosen und höheren Überlebensraten einhergeht, belegt diese Studie einen direkten Zusammenhang mit der Inzidenz der Krankheit: Erwachsene, die nie eine Ehe eingegangen sind, weisen signifikant höhere Krebsraten auf als jene, die verheiratet sind oder waren. Unverheiratete Männern haben ein um 68 % höheres Risiko an Krebs zu erkranken, bei unverheirateten Frauen liegt es sogar um 83 % höher. Dies betrifft viele verbreitete Tumorarten und alle ethnischen Gruppen.
Diese Daten offenbaren dem Gesundheitspersonal, dass der Familienstand kein nebensächlicher demographischer Faktor ist, sondern ein Indikator für das kumulative Risiko, der soziale, verhaltensbezogene und biologische Entwicklungen widerspiegelt. Die größten Unterschiede wurden bei Tumoren im Zusammenhang mit Infektionen, Tabak und Alkohol festgestellt; zum Beispiel ist das Risiko für Analkrebs bei Männern, die nie verheiratet waren, fünf Mal größer, während Frauen ohne Ehegeschichte ein dreimal so großes Risiko haben, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Auch bei Lungen und Speiseröhrenkrebs und Leberzellkarzinom (HCC) ist das Risiko deutlich erhöht, was darauf hindeutet, dass die Ehe einen gesünderen Lebensstil und die Teilnahme an Vorsorgeprogrammen fördert und so als Schutzfaktor wirken kann.
Besonders relevant für die klinische Praxis ist der Einfluss des Familienstands in den verschiedenen Gemeinschaften. Die Studie zeigt, dass schwarze Männer, die nie geheiratet haben, das höchste Krebsrisiko aufweisen, während sie, wenn sie verheiratet sind, geringere Krebsraten haben als verheiratete weiße Männer. Dies lässt vermuten, dass in Gruppen, die soziale oder wirtschaftliche Diskriminierung erfahren, die Ehe ein noch wichtigerer Schutzfaktor sein kann. Darüber hinaus summiert sich das riskante Verhalten mit fortschreitendem Alter, während dies umgekehrt auch für die sozialen und gesundheitlichen Vorteile des Paarlebens im Laufe des Lebens gelten dürfte.
In einer Zeit, in der die Zahl der Eheschließungen zurückgeht, können die Studienergebnisse die Ärzte und Ärztinnen anregen, den Familienstand „nie verheiratet“ als mögliches Kriterium für die Risikobewertung und für Vorsorgemaßnahmen zu berücksichtigen. Wenn es gelingt, frühzeitig zu erkennen, welche Patient:innen über ein schwaches soziales Netz verfügen, kann man zielgerichtet eingreifen, um eine bessere Teilnahme an Vorsorgeprogrammen sowie Verhaltensveränderungen anzuregen, die dazu beitragen, die Krebsraten in besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen zu senken.
Quelle
Pinheiro PS et al. Marriage and cancer risk: a contemporary population-based study across demographic groups and cancer types. Cancer Research Communications 2026, 6.4: 783-791.
