Eine im Journal for Immuno Therapy of Cancer erschienenen Studie zeigt, dass das verbreitete blutdrucksenkende Medikament Telmisartan die Wirksamkeit von Olaparib, einer zielgerichtete Krebstherapie, die bei einer Reihe von Tumoren zum Einsatz kommt, signifikant verstärken kann. Die von einem Team unter der Leitung von Tyler J. Curiel von Dartmouth Cancer Center durchgeführte Studie eröffnet neue Perspektiven für eine Behandlung, welche bis heute einem kleinen Kreis von Patient:innen mit spezifischen genetischen Merkmalen vorbehalten ist.
Wenn man die Bedeutung dieser Entdeckung verstehen will, muss man sich die Wirkungsweise von PARP-Inhibitoren ansehen, der Arzneimittelklasse, zu der Olaparib gehört. Diese Medikamente wirken, indem sie die Mechanismen zur DNA-Reparatur in den Krebszellen blockieren; ihre Wirksamkeit ist jedoch mit dem Vorhandensein von Mutationen in den BRCA-Genen verbunden, die die Tumoren angreifbar machen. Fehlen diese Mutationen, sind die Krebszellen in der Lage, die DNA-Schäden an zu reparieren, wodurch die PARP-Inhibitoren sehr viel weniger wirksam sind und diese Therapie folglich für die meisten Patient:innen ungeeignet ist.
Die Forschenden stellten fest, dass Telmisartan, ein zugelassenes, sicheres und preiswertes Arzneimittel, in der Lage ist, dieses Hindernis zu überwinden. Durch komplexe klinische Studien konnte das Team belegen, dass die Gabe dieses Moleküls die Immunsignale des Tumors erhöht und insbesondere die Produktion von Typ-I-Interferonen anregt. Diese Moleküle helfen nicht nur dem Immunsystem, den Tumor zu erkennen und anzugreifen, sondern machen den Tumor überdies empfänglich für die Wirkung von Olaparib, auch wenn die Mechanismen zur Reparatur der DNA intakt scheinen. Das heißt, Telmisartan „täuscht“ die resistenten Tumorenzellen und macht sie anfällig für eine Therapie, die sie sonst ignorieren würden.
Darüber hinaus hat die Studie gezeigt, dass Telmisartan nicht nur die Immunantwort anregt, sondern auch das Level von PD-L1 senken kann, einem Protein, das Tumoren als „Schutzschild“ nutzen, um sich vor dem Immunsystem zu verstecken. Diese zweifache Wirkung verweist darauf, dass die kombinierte Anwendung dieser Arzneimittel nicht nur den klinischen Ausgang verbessern, sondern auch die Therapieresistenz reduzieren könnte, die ein ernstes Problem in der modernen Onkologie ist.
Die Wissenschaftler:innen sind aber auch deswegen begeistert, weil Telmisartan ein schon umfassend erprobtes und günstiges Medikament ist, weswegen der Weg zur klinischen Anwendung sehr viel schneller sein könnte als die Entwicklung neuer Wirkstoffe.
Quelle
Murray CEet al. Telmisartan increases olaparib efficacy in homologous recombination proficient tumors by augmenting type I interferon production. Journal for ImmunoTherapy of Cancer. 2026;14:e012426
